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:: P.S.: I Never Hated you ::

I just found this stunning video. Made me cry.

Valo, 21.07.2014, 14:19 | Abgelegt unter: Transgender | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

:: WochenendRückblick ::

[Wetter] 37°C am Freitag und Samstag, dann kühlte es auf 28°C ab mit leichtem Wind. Herrlich. Ich mag die Hitze und ich mag die Entspannung danach.

[Gemacht] Ich war an einem tollen Ort in meiner Nachbarschaft und wollte aquarellieren, aber es war so heiß, daß es nicht funktioniert hat – die Farbe ist praktisch direkt am Pinsel getrocknet *lol* Habe meine Osteopathin besucht und war danach leicht “verkloppt” :mrgreen: Habe mich vor der Sonne versteckt und abends mit der Familie im Hof gegrillt. Und Sonntag hatte ich lieben Besuch (dazu morgen mehr^^) und war wieder bei den Bücherschränken schnöfern.

[Crafts 'n' Arts] Daheim :) aquarelliert. Sogar ziemlich viel.

[Bewegt] Geradelt und Agni Yam bei 37°C. Chchch.

[Gehört] Jiliane Hoffman: Vater unser. Drei Fragezeichen. Tool. Wovenhand.

[Gelesen] Erfolgreiches Streßmanagement für Dummies. Fand ich ganz gut und es stehen auch tatsächlich umsetzbare Tips drin.

[Gesehen] Ein paar Folgen Hannibal. Ich finde Mads Mikkelsen ist die perfekte Besetzung dafür. Hach. Und wenn ich mal groß bin, dann will ich so sein wie er (vielleicht ohne Menschenhäppchen) ♥

[Getrunken] Leitungswasser in rauhen Mengen. Ein bißchen Zitronenlimo. Eine Kreislaufrettungscola.

[Gegessen] Pasta mit Tomaten und Mango. Dekadent-fettige Pizza. Grillkram (Tomaten, Zucchini, Würschtel, Nudelsalat, Banane, …). Selbstgemachten veganen Käse (aber ich jabbere immer noch nach Bergkäse und so). Bavette mit Ruccola. Zucchini mit Kräutern. Nektarinentarte.

[Gedacht] Daß ich mich richtig glücklich fühle gerade.

[Gefreut] Über den Besuch. Über tolle Bücherschrankfindungen.

[Geärgert] Sehr. Auf mysteriöse Weise sind 8 Messer, 5 Gabeln und 2 Löffel unseres Besteckkastens verschwunden, der mal ein Geschenk meiner Mama war. Ich vermute, mein lieber Sohn hat sie nach und nach in den Müll geschmissen, und nachdem ich schon mal einen Teelöffel im Müll fand (mir aber nichts weiter Schlimmes dabei dachte), liegt die Vermutung nah. Da könnt ich schon in allen Regenbogenfarben kotzen. Konsequenz: ich habe das restliche Besteck meiner Mama eingesammelt und werde es erst wieder auflegen, wenn der Sohn aus dem Haus ist. Und mir demnächst schäbiges, billiges Besteck kaufen, bei dem es mir egal ist, wenn er es wieder wegwirft. Satansbraten.

[Gelernt] Was für ein Streßtyp ich bin. Aber eigentlich wußte ich das auch schon vorher.

[Gekauft] Nix.

[Dankbarkeit] Für so ziemlich alles. Außer Besteckschwund.

[Spirituelles] So ein Meditations-Aquarell-Ding :mrgreen:

[Und sonst so?] Dafür war es zu heiß.

[Ausblick auf die nächste Woche] Mal nicht so viele Termine und ich hoffe, daß ich endlich dazu komme, Konzertkarten zu kaufen. Wenn ich Wovenhand verpassen sollte, wäre ich sehr traurig.

Valo, 20.07.2014, 21:53 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

:: Im Fließen ::

Hatte diese Woche ein wunderbares Gespräch über mein Transsein, bei dem mir aufgegangen ist, daß ich offenbar ein sehr toleranter Transmann bin. Interessant, denn ich war eine sehr intolerante Biofrau :mrgreen: Spaß beiseite, ich scheine allein deswegen “anders trans” zu sein, weil ich nicht auf Gedeih und Verderb von meinem Gegenüber erwarte, als Mann wahrgenommen zu werden. Wenn es die perfekte Welt gäbe, dann würden mein Innen und mein Außen zueinander passen, sprich: dann wäre ich als Biomann auf die Welt gekommen. Oder dann würde man mich wenigstens als Mann gendern. Nachdem ich mir die perfekte Welt aber offenbar erstmal selber schnitzen muß, werde ich natürlich noch als Frau wahrgenommen – wenigstens mal, wenn ich den Mund aufmache oder wenn meine zarte D-Oberweite nicht hinter einer Tasche, einem Buchregal oder einem Babyelefanten versteckt ist. Jedesmal, wenn ich als Frau mißgendert werde, denke ich “*seufz*”. Es gibt auch Tage, an denen das wehtut, aber es kratzt eigentlich nicht an meinem innersten Selbstverständnis. Am Telefon z.B. werde ich immer als Frau wahrgenommen, und wenn ich dann mit “Frau Dingenskirchens” angesprochen werde, denke ich oft “wow – that’s odd!”. Es meint mich nicht mehr, obwohl es vertraut ist. Und das spricht doch sehr für meinen Transitionsprozeß. Ich glaube ja eh, daß es ein gutes Zeichen ist, daß es mich nicht verletzt, mißgendert zu werden.

Bei diesem Gespräch ging es auch um die Schritte, die ich auf meinem Weg tun möchte. Wie ich hier schon schrieb, möchte ich unbedingt die Hormontherapie machen, damit ich endlich den Bart bekomme, den ich schon seit 15 Jahren haben sollte :) Was die Mastektomie (Brustamputation) angeht, da bin ich mir nicht sicher, denn ich mache mir nichts vor. Zwei 30 cm lange Narben werden sich auch mit viel Phantasie nicht anfühlen wie eine normale Männerbrust. Und Unterleibs-OPs schließe ich auf lange Sicht erstmal aus, aus persönlichen Gründen. Ich glaube, ich sehe die Dinge, die Möglichkeiten und die Risiken realistisch. Ich erwarte nicht, daß ich Hormone einwerfe und – Wunder oh Wunder – meine ganzen Probleme verschwinden über Nacht. Ich gehe sogar davon aus, daß es ein, zwei Jahre brauchen wird, bis die Veränderungen eintreten, die ich mir wünsche. Aber das ist ok. Ich habe 36 Jahre gebraucht, um zu verstehen, was mit mir los ist, da kommt es eigentlich auf zwei, drei Jahre nicht an. Eigentlich. Denn es macht mich – bei allem Verständnis für juristische und medizinische Probleme – durchaus wütend, daß ungefähr fünftausend Leute bei meiner Transition mitmischen wollen. Ich bin erwachsen, ich wuppe ein nicht ganz so einfaches Leben mit Kind, Behinderung, Übergewicht und allem anderen Schnippschnapp, da werde ich doch wohl selbst entscheiden können, ob ich “trans genug” bin für Hormone. Menschenskinders.

Überrascht hat mich, wie verletzungsresistent ich auch in Hinblick auf Menschen bin, die meinen Weg nicht akzeptieren oder sich sogar abwenden. Ich habe damit gerechnet, daß das passieren würde, und als es passierte, da dachte ich nur, daß ich dankbar für diese Erfahrung bin, aber daß es mich nicht aufhält oder verletzt. Weil es eben nicht meine Baustelle ist. Eine Transition ist ein Prozeß, der unendlich tief reicht, und ich wünsche mir hilfreiche Geister an meiner Seite. Menschen, die mich unterstützen, die mich akzeptieren. Ich kann nicht Amala bleiben, denn das war ich ja nie so richtig. Mir fällt z.B. auch auf, daß ich weniger LeserInnen habe oder daß weniger Menschen hier kommentieren. Natürlich habe ich mich gefragt, ob ich das in Kauf nehmen möchte, aber Hölle ja, das möchte ich. Ich kann immer nur aus meiner Mitte heraus schreiben, frei von der Leber weg.

Ich erlebe die Transition als Akt der Befreiung. Meine Partner sagen, ich sei viel fröhlicher und gelöster als früher. Ich würde noch ergänzen: zufriedener. Mehr im Frieden mit mir und der Welt um mich herum. Ich begreife jetzt, wieso ich immer so wütend war, und warum ich gerade diese wunderbare Entspannung erfahre. Warum meine Kreativität und meine Spiritualität endlich wieder ins Fließen kommen. Es ist ein wunderschöner Prozeß, den ich voller Staunen und Dankbarkeit und Neugierde erlebe.

Vielleicht ist es gar nicht so, aber ich empfinde das Leben als Mann entspannter. Weniger verbissen und weniger vollgepropft mit Dingen, die ich muß. Ich fühle mich, als wären lauter Felsbrocken von mir rutergepurzelt, und manchmal, wenn ein besonders dicker Stein auftaucht, über den ich heulen muß, dann mache ich das und lasse dann los. Das geht jetzt auch alles einfacher. Ich habe so eine Art wasserabweisendes Gefieder bekommen, an dem alles abperlt.

Valo, 16.07.2014, 20:46 | Abgelegt unter: Transgender | RSS 2.0 | TB | 14 Kommentare

:: Transmen Guide (engl.) ::

I just stumbled upon this Transmen Guide.

Valo, 16.07.2014, 20:04 | Abgelegt unter: Transgender | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

:: WochenendRückblick ::

[Wetter] Wir hatten marodierende Teeniegewitter, Platzregen und ein bißchen Sonne im Wechsel.

[Gemacht] Mit dem Kind Kuchen gebacken. In der Stadt gewesen und nochmal an einem Bücherschrank. Mit dem Mann in Karlsruhe gewesen, photographieren und viel reden. Ein Bild aufgehängt. Blümchen geschnitten. Igel beobachtet.

[Crafts 'n' Arts] Ich habe mir richtig viel Zeit zum Malen genommen ♥

[Bewegt] Radeln und Yoga.

[Gehört] Jo Nesbø: Die Fährte. Fand ich ganz nett, aber irgendwie ein bißchen wirr.

[Gelesen] Stressbewältigung für Dummies. Was von Osho. Und noch ein paar Zeilen in ein paar anderen Büchern :D

[Gesehen] Fußball, ‘türlich.

[Getrunken] Leitungswasser, Schwarztee, Cola.

[Gegessen] Die riesigste, dekadenteste vegane Pizza aller Zeiten. Mann, war die gut. Orangenrisotto mit Auberginen. Heidelbeeren. Brombeeren mit Sahne. Pasta mit Zuckerschoten und Chili-Kokosrahm. Zitronenkuchen.

[Gedacht] Ich habe Pläne für ein paar Spiri-Projekte geschmiedet.

[Gefreut] Darüber, daß Deutschland Weltmeister ist. Was für eine geile WM, was für ein geiles Spiel!

[Geärgert] Nö.

[Gelernt] Wie man Streßlevel ermittelt, wo ich auf der Skala stehe und was meine Stressoren sind (aber die kannte ich schon).

[Gekauft] Passepartouts und einen Bilderrahmen.

[Dankbarkeit] Für gute Gespräche, gute Träume, guten Fußball, gutes Essen.

[Spirituelles] Ich schulde den Fußballgöttern eine Flasche Bier :D

[Und sonst so?] Ich erspür gerade Freiheiten, wo ich vorher keine wahrnahm.

[Ausblick auf die nächste Woche] Sage und schreibe fünf Termine – das ist mir eindeutig zuviel. Ich hoffe, das erschlägt mich nicht und läßt mir genug Raum für Kreatives.

Valo, 14.07.2014, 00:26 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

:: Shaving, Spirituality, Identity ::

Today Alexis wrote about covering her head and hair for spiritual means when going outside and that rang a bell inside of me. If you’ve been following my blog for a longer period of time, you have probably read about my thoughts concerning covering my head while practicing Kundalini Yoga. To put it short: I tried, I failed. It felt awful, like being isolated from my own and from the cosmic energy and while I was supposed to concentrate on Yoga, I was only concerned about how I could get rid off the turban the quickest :mrgreen: To be honest, I was a bit surprised by that. Yogi Bhajan taught that wearing a turban keeps your energy-levels high, because none of your energy gets lost or can be “stolen” from others. Due to him covering one’s head would be able to even increase the energy-levels. I experienced the very reverse. Covering my head made me sweat, it caused a bad headache and made me feel angry and aggressive. I’ve been into energy-work for so long now, perhaps keeping my energy is something I’m able to perform by myself, without any aids.

In Sikhi it is taught that letting your hair grow to its natural length provides you with very much energy because the hair is seen as a reservoir for essential nutrients. Curling up your very long hair into a bun at the front area of your head is supposed to attract the Kundalini so that it arises and connects to your aura, which again provides you with a lot of energy and helps you to recognize God. Again, I have experienced the reverse. Long hair seemed to steal my own energy and wearing it tied to buns felt like hiding my energy.

In context with Alexis’ article some memories popped up. I was brought up in the knowledge that my mother had desperately wished for a girl, so no wonder that she had decided to let my hair grow long. Already in kindergarten I had said that I rather wanted my hair short, but I was not allowed to.  I was about 8 years old when I finally stood up against my parents and had my hair cut. Back then I didn’t have the words to express what I felt, but today I would say that it was a spiritual experience, like getting rid off “dirt” and coming out as the person I was and being able to let my inner light shine. My family didn’t react very kindly. My father, aunt, uncle and others called me by the male version of my already behated birthname, and I knew that I was none of them. In retrospective I have to say that hair, identity and spirituality are deeply connected for me.

During the years I let my hair grow again, especially because I thought a witch should have long hair as spiritual antennas. Well, it didn’t work for me, and when I lost my hair during my long illness, I felt odd. Everyone who visited me searched for regret, shame and sadness in my face concerning my bald head, but I didn’t feel such a thing. I just felt relief. I liked it. When I returned home, I let my hair grow again, mostly because I felt my family expected me to. When it grew, it was thicker and heavier than ever and it burdened me. In 2011 I shaved my hair completely and again it felt like cleaning myself and pacing a way for my inner light to shine.

I had a bald head for more than two years and every single shaving felt good and like an act of spirituality. Last autumn I began to let my hair grow a little bit longer, about 1-2 inches, but still shaved on the lower area. Since I came out as trans, I also shave my face. Not that this is already neccessary, but I like it as an act of living out my masculinty and – again – of purifying myself.

*     *     *

Alexis hat heute über das Bedecken ihres Kopfhaars als spirituellen Akt geschrieben. Es hat mich daran erinnert, daß ich das auch versucht habe, daß es für mich aber nicht funktioniert hat. Meinen Kopf z.B. beim Yoga zu bedecken, hat mich genervt und aggressiv gemacht, doch das Schneiden und Scheren meines Haars empfinde ich als reinigend und spirituellen Vorgang.

:: Pilgern 2014, Teil 1 ::

In diesem Jahr machen mein Mann und ich uns zum dritten Mal auf die Pilgersocken hier in unserer Heimat, und diesmal steht unsere etappenweise Reise unter dem Motto Männer- & TransSpiritualität. Wer die älteren Pilger-Artikel sucht: die Artikel aus 2012 gibt es hier, hier, hier und hier und über das Pilgern 2013 habe ich hier gesprochen. Und gleich vorweg entschuldige ich mich für die grottige Qualität der Bilder in diesem Beitrag – ich habe sie mit dem Handy gemacht, weil meine Kamera nicht mehr in meine Tasche reingepaßt hat (das Aquarellzeug hat sich darin breit gemacht^^).

Weil es in diesem Jahr nicht hauptsächlich um unsere Region, sondern vielmehr um unser spirituelles Erleben und Empfinden geht, ist der Raum, den wir bereisen wollen, etwas weiter gesteckt als sonst. Zudem werden wir diesmal nicht nur regionale Gottheiten / Wesenheiten auf uns wirken lassen, sondern unsere Fühler auch in andere Gefilde ausstrecken.

Ich habe mich in der Vergangenheit nie wirklich mit Männerspiritualität befaßt (und schon gar nicht mit Transspiritualität) und habe deswegen ein eher einfaches, schematisches Bild davon, was dazugehören könnte – allerdings fehlt es mir komplett an eigenen, authentischen Erfahrungen. Das heißt einerseits, daß ich sehr unbefangen an alles herangehen kann, andererseits, daß ich ein wenig plan- und orientierungslos bin. Meine Quellen für diese Pilgerreise sind im Einzelnen:

  • mein Mann bzw. am Austausch interessierte (Trans)Männer
  • das Internet
  • für Transgenderspiri das Buch “Hermaphrodeities – The Transgender Spirituality Workbook” von Raven Kaldera
  • für Männerspiri die Bücher “Männer der Natur” von Isaac Bonewits und “Die verborgene Spiritualität des Mannes” von Matthew Fox
  • die meiner Meinung nach sehr spirituellen Arbeiten von Maynard James Keenan (u.a. Tool) und David Eugene Edwards (u.a. Wovenhand)
  • meine subjektiven Empfindungen
  • und irgendwie auch die Yoga-Sutras von Patanjali

Unser erster Pilgertag begann mit der Ankunft einer Postkarte, auf der u.a. der Grüne Mann abgebildet ist. Da ich ja gern daran glaube, daß alles ein Zeichen sein kann, nahm ich das als gutes Omen für die gesamte Pilgerreise, zumal der Grüne Mann auch ein Thema sein wird :D Unser erster Weg war gar nicht weit, denn er führte uns in die Dorfkirche zwei Häuser weiter, in der keiner von uns zuvor gewesen war. Die Kirche und ich, ach ja. Das ist eine lange Geschichte und wenn Ihr mein Blog schon länger verfolgt, dann wißt Ihr, daß ich in einem anderen Leben mal Theologie studiert habe und mich sehr kritisch mit dem Christentum bzw. christlicher Theologie auseinandersetze. Dennoch war in den letzten Wochen der Wunsch, eine Kirche – und zwar zur Meditation – zu besuchen, in mir gewachsen (aber ich träume ja neuerdings auch von Steaks).

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Die Stafforter Kirche wurde in den letzten Jahren aufwendig saniert und renoviert. Als erstes fällt natürlich auf, daß der Altar nicht mit einem Kruzifix, sondern mit einem Baum des Lebens (?) geschmückt ist (wobei ich mich schon frage, warum der keine Blätter hat). Jesus wurde an die Seite gehängt, von wo aus er die Gläubigen beim Gottesdienst beobachten kann. Ich finde, die Renovierung hat sich gelohnt und die Kirche ist ein lichtvoller, freundlicher Ort. Leider wird das anhand der Bilder nicht deutlich. Wir setzten uns in eine der Bankreihen und ließen die Atmosphäre auf uns wirken.

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Mir gingen alle möglichen Dinge durch den Kopf, die mich in meiner persönlichen Geschichte mit dem Christentum begleitet haben. Ich habe sehr lange versucht, im Christentum zu wurzeln, habe den CVJM und evanglisch-freikirchliche Gemeinden besucht, nahm mit Feuereifer am Konfirmandenunterricht teil, habe Gott gebeten, mir die Fähigkeit zu glauben zu schenken – vergeblich. Ich kann einfach an nichts glauben, das meinem Intellekt und meinen Lebenserfahrungen so zuwiderläuft. Und leiden tu ich auch nicht gern und schon gar nicht, weil ich das als Weg zur Erlösung begreifen würde. Da ist mir der buddhistische Ansatz näher: Leiden / Druck gehört aus diversen Gründen zum Leben dazu und Ziel sollte es sein, das zu überwinden. Als ich dort in der Bankreihe saß, war das einzige, das zum Christengott zu sagen mir einfiel, ein schlichtes “Hallo”. Mehr Kommunikation bringen er und ich nicht mehr zustande. Ich ließ es also auf sich beruhen und stattdessen den Raum auf mich wirken. Es war schön, in diesem hohen Kirchenschiff mit seinen bunten Fenstern zu sitzen, auch wenn die gesamte Symbolik mir, obwohl ich sie kenne und zu deuten vermag, fremd war. Ich dachte, das ist im Grunde wie mit allem aus meinem “alten” Leben: ich habe ja auch versucht, ganz Frau zu sein, habe Vokabeln und Inhalte gelernt, konnte die Symbolik deuten und verstehen. Und doch blieb es fremd. Gott der Vater? Göttin die Mutter? Entweder trage ich Teile von beiden in mir oder von keinem. Das weiß ich noch nicht.

I hear the voice in the hum of this machine. (David Eugene Edwards)

Mir ging durch den Kopf, daß christliche Mythologie, christliche Theologie sich für mich kastriert, beschnitten, gedeckelt und gezähmt anfühlt – als würde mir artiges Verhalten abverlangt werden. So wie in einem Krankenzimmer oder bei Biedermanns am Tisch: Fehlverhalten könnte als Provokation aufgefaßt werden. Blöderweise war ich immer gut in Fehlverhalten und konnte mich nie irgendwo nahtlos eingliedern. Die Kirche als realer Ort der Kontemplation ist schön, sowohl von der Optik und der Akustik als auch von der Energie her. Aber die Kirche als  Ort der Verehrung des Christengotts und als Flaggschiff christlichen Lebens und Regelwerks ist für mich nicht erträglich. Sie hat sich angefühlt wie ein Ort, an dem die Erinnerungen an eine innere spirituelle Stimme noch vorhanden sind, jedoch übertüncht vom Christentum. Hier ist von der männlichen und weiblichen Urkraft gar nichts mehr übrig. Als wir rausgingen, habe ich Jesus zugelächelt. Er tut mir immer noch leid.

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Unser zweites Ziel war das schöne Gaistal oberhalb von Bad Herrenalb. Unsere Mission: einen Urschrei ablassen. Klingt ja eigentlich nach einer ganz entspannten Sache – in den Wald fahren, schreien, Wiedersehen. War es aber nicht für mich. Zum einen habe ich mit Misophonie zu tun, also mit der Abneigung gegen bestimmte und vor allem gegen laute Geräusche. Zum anderen scheine ich meine Stimme verloren zu haben. Als Kind habe ich noch fröhlich rumgekreischt, aber als junger Erwachsener ging das irgendwie flöten, diese Fähigkeit, selbst bei Streit oder in Momenten höchster Freude zu schreien. Normalerweise behaupte ich, vom Schreien oder lauten Sprechen Halsweh zu bekommen, aber als ich da im Wald stand und schreien sollte, kam eine ganze Menge Zeug hoch. Stimmverlust – wie kann sowas passieren? Indem man seine Wahrheit nicht ausspricht oder wenn man das tut, ständig zurechtgeregelt wird. “Stimmt ja gar nicht”, “so ein Quatsch”, “Unfug!”, “sowas darfst Du doch nicht sagen!” – diese Mantras habe ich ziemlich oft abbekommen. “Hey, ich wäre gern ein Junge!” – “Ach was, Du bist aber ein Mädchen!”. Örks. Ich ließ also meinem Mann den Vortritt beim Urschreien, fand es aber auch danach wahnsinnig schwer, mich zu überwinden. Die Scham abzulegen. Und was soll ich denn eigentlich schreien? Und wieso überhaupt? Diese Frage ist ja eigentlich gemein, weil sie sagt: das ist Schwachsinn, das hier zu machen. Also yogisch tief einatmen, Gedanken ausknipsen und einfach schreien! Spontane Erkenntnis: ich muß das nochmal machen, wenn ich allein bin. Schreien ist ‘was Intimes, weil es von tief unten kommt, aus der Vergangenheit und den Tiefen der Seele. AAAAAAAAARRRRRRR!!!

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Direkt dort im Wald konnten wir einen anderen Aspekt männlicher (menschlicher) Spiritualität proben: das Jagen und Sammeln. Wobei ich glaube, daß ich ein besserer Sammler als Jäger bin. Beide Tätigkeiten brauchen zwar fokussierte Wahrnehmung und Konzentration, aber das Pirschen, Ranschleichen und Ducken geht mir mit orthopädischem Schuhwerk doch nur schwer über die Zehen. Außerdem läuft meine bevorzugte Beute mir Veganer selten weg. Wir konnten zwei Hände voller köstlicher Walderdbeeren ernten – und ich hätte schwören können, daß die vorm Urschrei noch nicht dagewesen waren. Die Ernte erinnerte mich an meine Gedanken über Vater Himmel und Mutter Erde. Neulich, als ich auf dem Michelsberrig war, habe ich Brot und Früchte als Opfergabe ausgelegt und Mutter Erde gesagt: ich ging als Deine Tochter und kehre wieder als Dein Sohn. Das zu sagen, war plötzlich druckfrei. Die Rolle der Tochter, der Mutter, der Ehefrau war für mich mit viel Druck belegt, mit lauter Erwartungshaltungen, von denen nur manche eingebildet waren. Ich habe das Bild, das die matriarchale Wissenschaft von Männern zeichnet, immer negativ interpretiert: Männer wurden von der Gemeinschaft der Sammlerinnen und Mütter ausgeschlossen, mußten oft außerhalb der Höhle unterwegs sein und jagen. Jetzt entdecke ich die Freiheit darin. Der Raum der Höhle mag kulturstiftend gewesen sein, aber ich passe besser in den weiten Raum außerhalb der Höhle, mit mehr Möglichkeiten, mehr Freiheiten, mehr Weite. Es würde mich schier erdrücken, als Mutter in der Höhle sein zu müssen, mich um die Kinder zu kümmern, um die Alten. Das ist nicht mehr Part und das war er nie. SpiriErdbeeren!

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Unser Weg führte uns für eine kleine Mittagspause an eine Feuerstelle, einen Grillplatz. Während mein Mann in der Sonne döste, aquarellierte ich den Ausblick über Loffenau, den man vom Parkplatz Teufelsmühle aus hat. An diesen Ort nicht weit vom Gaistal entfernt zieht es mich auch immer wieder, dabei ist er direkt an der Straße gelegen und irgendwie ungemütlich und schmuddelig – aber eben auch weit und hoch und großartig. Nach unserer Pause fuhren wir rüber zur ortsansässigen Bergwacht. Vor deren Haus wurde ein Monolith errichtet.

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Der nächste alte , “echte” Monolith von unserem Wohnort aus gesehen befindet sich in Sandhausen, also nördlich von Heidelberg, aber auch diese Steinsetzung aus jüngerer Zeit fand ich interessant. Offenbar ist es den Menschen heute ja immer noch ein Bedürfnis, Steine aufzustellen (ich sag mal: Friedhof!). Ich kenne solche Steinsetzungen als Zeichen für den Omphalos, also den sprichwörtlichen Nabel der Welt. Oder als Symbol für den Schamanenbaum bzw. die Weltenachse. Wenn ich versuche, einen Monolith als Penis und damit als Zeichen für Potenz / Macht zu sehen, scheitere ich allerdings. Eher erkenne ich in ihm einen fest verwurzelt stehenden Menschen, der sozusagen mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, während er seinen Kopf in den Wolken hat. Also doch irgendwie ein Schamane.

Ich glaube, was dieser erste Pilgertag mir an Erkenntnissen über männliche Spiritualität gebracht hat, kann ich noch nicht formulieren, aber ich habe es genossen, mich wieder auf den Weg gemacht zu haben.

:: Ian Harvie: Superhero ::

Ian Harvie, ein transidenter Comedian aus den USA, bietet auf seiner Website den kostenpflichtigen Download (incl. Steuern rund 4,50 €) seiner Show “Superhero” an. Nachdem er einer meiner Trans-Superhelden ist, mußte ich die Show natürlich angucken. Mir ging es wie einem anderen der Zuschauer: mußte lachen und weinen.

Auf seiner Website gibt’s noch andere kostenfreie Videos.

Valo, 08.07.2014, 11:20 | Abgelegt unter: Transgender | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

:: Berge in Aquarell ::

Mir fällt auf, daß in meinen letzten Bildern ständig Berge in der Ferne auftauchen. Mal die Pfälzer Berge, mal der Schwarzwald und mal Phantasieberge wie in diesem Bild:

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Bin schon ganz zufrieden mit der Silhouette. Wie für alles gibt es dafür auch zig Techniken und ich probiere mich gerade durch. Essentiell: ein dicker Stapel Papier. Er bewahrt mich davor, die Dinge zu genau zu nehmen und Material zu sparen. Darum geht es bei Kunst einfach nicht.

Valo, 07.07.2014, 20:38 | Abgelegt unter: Machungen | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

:: Mit gutem Beispiel voran ::

Kürzlich ist der Bildungsentwurf, demnach die Akzeptanz sexueller Vielfalt im Schulunterricht verankert werden sollte, in Baden-Württemberg aufgrund der massiven Proteste aus dem konservativen Lager wieder in der Schublade verschwunden. Neuvorlage nicht vor 2016. Die Argumente der Konservativen kann man pointiert zusammenfassen als Angst davor, daß die geplanten Lehrinhalte die lieben Kinder verderben bzw. ihnen die LGBTIQ-Lebensweise schmackhaft machen. Das ist deswegen absurd, weil es keine willentliche Entscheidung darstellt, homo, bi, trans oder inter zu sein, mit allem, was es sonst noch so an Nuancen in diesem Spektrum gibt. (Tip: “Die Schwulenheiler“. Die Reportage kann allerdings stark triggern).

Würde ein Klima der Akzeptanz geschaffen werden, würde das aber auch bedeuten, daß es – eigentlich – eine de facto Gleichstellung von LGBTIQ-Menschen geben müßte. Und das ist ein Thema, um das sich die Politik skandalös herumdrückt. Bei ihrem Wahlkampf versprach die SPD noch eine 100%ige Gleichstellung, nur war davon jetzt nicht mehr die Rede. Die Landesregierung ging vor 80.000 Menschen, die die Petition gegen den Bildungsentwurf unterschrieben hatten, in die Knie. Zum Vergleich: in Baden-Württemberg leben mehr als 10 Millionen Menschen.

Mich persönlich betrifft das auch deswegen, weil ich mich, wenn ich meinen Personenstand von weiblich auf männlich ändern lassen wollen würde, von meinem Mann scheiden lassen müßte, da vor dem Gesetz keine gleichgeschlechtliche Ehe existiert und laut aktueller Formulierung auch nicht existieren kann. Eine Ehe kann demnach nur zwischen zwei verschiedengeschlechtlichen Menschen geschlossen werden. Außerdem ist die Ehe ein verfassungsmäßig garantiertes Recht, die Lebenspartnerschaft nicht. Will sagen: derzeit billigt der Staat die “Homo-Ehe”, aber er kann seine Billigung auch wieder entziehen. Für mich heißt das, daß ich auf dem Papier eine Frau bleiben werde, auch wenn das nicht meiner inneren Realität entspricht (und irgendwann unter Hormonen auch nicht mehr meiner äußeren Realität…da freu ich mich jetzt schon auf schön absurde Situationen). Auch vor solchen Dingen verschließt der Staat die Augen.

Was bleibt? Geht mit gutem Beispiel voran und redet offen mit Euren Kindern darüber, daß es LGBTIQ-Menschen gibt. Falls Ihr den Kontakt zu Menschen jenseits des heteronormativen Spektrums scheut, macht Euch im Netz kundig und entmystifiziert Vorurteile, die Euch unterkommen oder die Ihr selbst hegt. Verwahrt Euch gegen den Gebrauch von Worten wie “schwul” oder “transsexuell” als Beleidigungen. Schafft in Eurer Familie ein tolerantes Klima – letztlich wißt Ihr nicht, ob nicht auch Euer Kind betroffen ist.

Valo, 07.07.2014, 13:42 | Abgelegt unter: FamilienLeben,Transgender | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar
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