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:: Neuer Sexismus ::

Zu den sicherlich eher gewöhnungsbedürftigen Erfahrungen der Transition gehört eine neue Art von Sexismus, mit der ich mich seit einer Weile konfrontiert sehe. Also, mal Hand auf’s Herz: ich habe 36 Jahre als Frau gelebt und kenne Sexismus nur zu gut. Im Laufe meines Lebens habe ich bestimmte Strategien entwickelt, um “irgendwie” mit ihm klarzukommen, mal besser und mal schlechter. Aber dieser Sexismus war vertrautes Gebiet, weil ich ihn eben schon in- und auswendig kannte. Beispiele?

  • “Du solltest Dich mal für Deinen Mann hübsch machen”
  • “Kein Wunder, daß Du nicht so gut in Mathe bist, Du bist ja ein Mädchen”
  • “Mädchen, die pfeifen, und Hähnen, die kräh’n, soll’t man beizeiten die Hälse umdrehen”
  • “Was sagt denn Dein Mann dazu, wenn Du [setze ein, was Dir gerade in den Sinn kommt]…?”
  • “In dieser Hose hast Du einen total dicken Hintern!”

Die Liste kann man endlos verlängern. Ich habe immer schon gespürt, daß es Unrecht ist, daß diese Dinge gedacht und gefordert werden, was mich nicht davon abgehalten hat, selbst eine ordentliche Portion Sexismus zu entwickeln. Ja, wirklich. Gerade in der Zeit, in der ich mich intensiv mit gynozentischem Feminismus auseinandersetzt habe, war das nicht wenig. Versteh mich nicht falsch – es tat mir unglaublich gut, die Dinge aus weiblicher Sicht zu betrachten, die weibliche Weltgeschichte zu entdecken, mich mit Frauen auszutauschen, unsere ureigene Weiblichkeit zu erfahren etc. Damals habe ich immer gesagt, daß es nicht mein Job ist, für Männer zu denken, daß ich es aber cool finden würde, mich mit reflektierten Männern auszutauschen. Irgendwie ist es dazu nur selten gekommen, was ich schade finde. Jedenfalls habe ich damals das Gefühl gehabt, endlich eine gewisse innere Befreiung zu erfahren, weg von dieser Denkweise, die oben in den Beispielsätzen anklingt. Eigenwert erfahren, weibliche Spiritualität leben. Für Männer war darin kein Platz, weil ich so voll von den ganzen neuen Ideen und Entdeckungen war. Rückblickend denke ich, diese Zeit hat mich sehr geprägt und mich weit gebracht, weil da viele abgeschmackte Gedankengebäude zu Fall gekommen sind. Aber ich muß auch darüber grinsen, wie eifrig ich doch bemüht war, meinen Platz in dieser urweiblichen Welt zu finden, wo sich mir bei so vielen typisch weiblichen Phänomenen wie etwa Menarche, Schwangerschaft, Geburt und Mutterrolle kein Verständnis einstellen mochte. Heute denke ich: ja, klar. Urweibliches bleibt für einen Mann am Ende vielleicht immer ein nicht vollständig auswickelbares Geschenk. Und es erklärt so manche Konfusion in meinem Leben.

Da ich nun aber 36 Jahre als Frau gelebt habe und auch so sozialisiert wurde, fehlen mir bestimmte “Initiationsriten” der Männer. Ich hatte natürlich kein Gespräch von Vater zu Sohn. Das erste Mal den Bart rasieren, die erste Krawatte zur Konfirmation oder solche Sachen gab es einfach nicht. Insofern sitze ich durchaus zwischen den Stühlen. Ich kapiere Frauen und Männer gleichermaßen unvollständig. Möglich, daß sich das noch ändert. Was ich aber durchaus merke, ist, daß mein Wohlbefinden in der Männergruppe ein anderes ist. Ich kann mich in der Männerrolle natürlicher einfinden. Paßt einfach.

Nun ja, und auf einmal nehmen mich Menschen im Netz als Mann wahr. Im realen Leben, auf der Straße, passiert mir das nicht. Ich sag ja, ich habe kein Passing. Ich werde allenfalls als burschikose Frau oder als Butch identifiziert, nie aber als Mann. Doch im Netz, über mein Blog und so, bin ich plötzlich ein Mann. Ich weiß nicht, wie oft mir jetzt schon gesagt wurde, ich hätte mich ja soooo verändert. Das befremdet mich, denn…nun ja, darum heißt es Transition, richtig? Ich will, daß sich was verändert. Aber es gibt da eben diesen krassen Unterschied zwischen Netz und RL. Im RL befinde ich mich in einer Art Dauerprüfung: wirke ich männlich genug? Sind meine Brüste unauffällig genug (ich bitte Dich, D-Cup, wie unauffällig kann das sein?!)? Mache ich meinen Ärzten gründlich genug klar, daß ich wirklich als Mann leben will und daß ich wirklich Hormone will? Da ich halt ständig für eine Frau gehalten werde, ist es manchmal schon ein wenig herausfordernd, die gute Laune zu bewahren, aber ok. Im Netz oder über andere virtuelle Kanäle scheine ich hingegen auf einmal als 100%iger Kerl wahrgenommen zu werden. Plötzlich soll ich mit einem Draht und einem Kaugummi einen Viertaktmotor bauen können. Frauen, die mit mir vor einem Jahr ausführlich über die Mens philosophiert haben, erklären mir, daß sie nicht mehr mit mir darüber reden können. What? Ich blute jetzt seit 25 Jahren und tu das immer noch. Ich habe ein Kind in die Welt gesetzt, aber ich bin auf einmal nicht mehr Frau genug für so ein Gespräch? Moar.

Und dann gibt es da immer wieder Reaktionen auf mich im Netz, wo ich eben als Mann auftrete, die ich bisher nicht kannte. Zum Beispiel daß Leute auf mich sehr ablehnend reagieren, wenn ich nur “hi” sage. Oder einfach schweigen. Oder, was für mich am allermerkwürdigsten ist, daß Frauen mir gegenüber auf einmal so verschlossen sind. Klar, wenn Du Dich als Frau unter Frauen mischst, dann ist das so eine versteckte Solidargemeinschaft (vielleicht auch weil das kleinste gemeinsame Vielfache immer noch dieselben initiatorischen Erfahrungen sind…oder das Meckern über die Männer^^), aber wenn Du als Mann dazukommst, dann bist Du schon der Eindringling. Mit diesen Dingen umzugehen, ist sehr neu für mich. Sie irritieren mich durchaus. Und sie machen mir auch klar, daß auch Männer tagtäglich Sexismus erfahren, was ich in meiner gynozentrischen Phase nicht unbedingt gesehen habe.

Ich habe noch keinen entspannten Weg gefunden, mit dieser Divergenz zwischen Eigen- und Außenwahrnehmung umzugehen. Es verletzt mich sehr, wenn Frauen mir klar machen, ich gehöre nicht mehr zu ihnen, und Männer mir signalisieren, sorry, auch nicht zu ihnen. Ich weiß ja, daß sich das im Laufe der Hormontherapie irgendwann geben wird. Aber bis dahin bin ich gerade in diesem Niemandsland oder dem “Land Of Confusion”, in dem ich mich wie ein desorientierter Schiffbrüchiger fühle. Erstmal Feuer machen.

Geschützt: :: Blood Of Winter ::

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Valo, 27.08.2014, 21:21 | Abgelegt unter: Transgender | RSS 2.0 | TB | Auch die Kommentare sind durch das Passwort geschützt.

:: Das Kind braucht einen Namen! ::

…und ich auch :mrgreen: Für mich läuft in diesem Herbst die Vornamens- und Personenstandsänderung an, ein ziemlich bürokratischer und daher recht langwieriger Prozeß. Aller Voraussicht nach werde ich frühestens in einem halben, realistisch betrachtet wohl eher in einem Jahr offiziell Valo und männlich sein. Daß ich diesen Schritt gehen möchte, steht für mich außer Frage. Ich kriege jetzt schon immer “Männekes”, wenn ein Brief für Frau Blablabla ankommt – das muß anders werden ;)

Falls Euch interessiert, wie dieses Verfahren abgewickelt wird, kann ich gern mal Genaueres dazu schreiben.

Jedenfalls kostet die Vornamens- und Personenstandsänderung eine hübsche Stange Geld. Und aus diesem Grund möchte ich jetzt und in den kommenden Monaten gern ein paar Dinge zum Verkauf anbieten. Bücher, Selbstgemachtes und Gebrauchtes, bunt gemischt. Das Geld wandert ausnahmslos in meine NUPS-Kasse (Namens-und-Personenstands-Sache^^). Ihr habt also nicht nur die Gelegenheit, schöne und nützliche Dinge zu erstehen, sondern begeht damit auch eine gute Tat :D

Den Anfang machen heute einige Bücher. Wer eins (oder mehrere) haben möchte, kommentiert hier bitte. Es gilt: wer zuerst kommentiert, bekommt das Buch. Beachtet aber bitte, daß ich nicht immer direkt dazu kommen, Kommentare freizuschalten.

Zu den Preisen: ich gebe hier einen Betrag an, den ich mindestens gern für ein Buch hätte, aber natürlich freue ich mich über jeden Euro, der in meiner NUPS-Dose landet :) Zu dem hier genannten Betrag kommt noch das Porto dazu: 2 € für eine unversicherte Büchersendung, bei mehr Büchern 5 € für versicherten Versand mit Hermes. Ins Ausland versende ich gern, wenn Ihr das Porto dafür übernehmt. Also, here we go:

  • Clare Gibson: Symbols Of The Goddess. Nagelneu und ungelesen, Rarität. 20 €.
  • Irene Fleiss: Als alle Menschen Schwestern waren – Leben in matiarchalen Gesellschaften. Band 1. Gelesen, exzellenter Zustand. Irene Fleiss hat in diesem Buch die schier unglaubliche Arbeit auf sich genommen, das Leben und Wirken in matriarchalen Gesellschaften rund um den Globus und bis in die vorpatriarchale Vergangenheit freizulegen. 16 €.
  • I Am A Woman – Kundalini Yoga Manual For Women. Yogi Bhajan hat der Ausbildung von Frauen besonderen Wert beigemessen. In diesem Buch werden die Lebenszyklen von Frauen in den Mittelpunkt gestellt. Es gibt Texte zur Vertiefung des yogischen Lifestyles, außerdem jede Menge Kriyas und Meditationen. Praktisch neuwertig. Ich habe nur an wenige Seite ein Kreuzchen gemacht. 22 €.
  • Hari Kaur Khalsa / Machelle Seibel: A Woman’s Book Of Yoga. Kundalini Yoga für Frauen in allen Lebenslagen, incl. Mentruation, Schwangerschaft, Menopause. Es gibt Tips zur Ernährung und zur Streßreduktion. Jedes Kapitel enthält weiterführende Fragestellungen. Dazu jede Menge Kriyas und Meditationen. Das Buch ist neuwertig. 15 €.
  • Victoria Boutenko: Die Vital-ROH-volution: 12 Schritte zu lebendiger Nahrung. Rohkost für Neugierige und Einsteiger. Gelesen, exzellenter Zustand. 12 €.
  • Jeanne Ruland: Feen, Elfen, Gnome – das Buch der Naturgeister. Nagelneu und ungelesen. 12 €.
  • Jane Cumberbatch: Einfach schön wohnen – Wohnideen zum Selbermachen. Tatsächlich umsetzbare Wohntips, auch für kleine Räume. Wie neu. 8 €.
  • Z. Budapest / D.L. Paxson: Das Lebensbuch für Frauen. Wie neu. 9 €.
  • Kris Waldherr: Umarme die Göttin in Dir. Lebensrituale für Frauen. Wie neu (und mit wunderschönen Illustrationen). 7 €.
  • Udo Rauchfleisch: Transexualität – Transidentität Begutachtung, Begleitung, Therapie. 25 €.
  • Raymond Buckland: Candleburning Rituals. Nagelneu und ungelesen. 15 €.
  • Jan Fries: Visuelle Magie  Ein Handbuch des Freistilschamanismus. Gelesen, wie neu. 18 €.
  • Dagmar Margotsdotter-Fricke: Die gute Mär – Mutterkunde im Märchen. Gelesen, wie neu. Die Autorin beleuchtet das Weibliche in Märchen. 10 €.
  • Dagmar Margotsdotter-Fricke: Menstruation – von der Ohnmacht zur Macht. Gelesen, wie neu. 10 €.
  • Kirsten Armbruster: Starke Mütter verändern die Welt. Eins der Bücher, die mich mit am meisten beeinflußt haben. Gelesen, wie neu. 15 €.
  • Balian Buschbaum: Blaue Augen bleiben blau – mein Leben. Gelesen, wie neu. 5 €.
  • Dion Fortune: Mondmagie. Nagelneu, ungelesen. 10 €.
  • Clarissa Pinkola Estés: Die Wolfsfrau. Nagelneu, ungelesen. 5 €.
  • Clarissa Pinkola Estés: Die Wolfsfrau erzählt – Auf den Spuren der Wilden Frau. Nagelneu, ungelesen. 4 €.
  • A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada: Bhakti, der Wandel im Herzen. Nagelneu, noch eingeschweißt. 3 €.
  • Heike Owusu: Voodoo Rituale. Wie neu. 10 €.
  • Luisa Francia: Eine Göttin für jeden Tag. Signiert. Das Buch hat im hinteren Teil einen Wasserschaden, der hintere Einband ist beschädigt (aber vollständig). 16 €.
Valo, 26.08.2014, 21:15 | Abgelegt unter: Blogkram,Transgender | RSS 2.0 | TB | 7 Kommentare

:: Spurensuche ::

Seit Dezember habe ich mehrmals ein paar Photoalben und einen Schuhkarton voller loser Bilder durchgeguckt, Erbstücke von meiner Mama. Sie umfassen den Bereich von meiner Geburt bis zu meinem 13. Lebensjahr. Danach gibt es fast keine Bilder mehr von mir, nur ganz punktuell, zum Beispiel zu Feierlichkeiten oder wenn ich der Kamera nicht entkommen konnte.

Überhaupt, das Erste, das mir bei der Durchsicht immer wieder auffällt, ist, daß ich irgendwann mit 13 nicht mehr photographiert werden wollte. Davor war es ganz normal, abgelichtet zu werden. Mein Vater hat viel und gern photographiert, oft nur deswegen gemäßigt, weil es eben teuer war, einen Film entwickeln zu lassen. Hätte es damals schon Digitalkameras gegeben, hätte ich sicher ganze Archive zum Durchgucken. Die Bilder dokumentieren mein Heranwachsen und ich betrachte sie gern, vor allem wenn sie auch unsere damalige Wohnung, mein Kinderzimmer, vertraute Orte und Gesichter zeigen. Ich sehe mich auf den Bildern laufen lernen, lesen, Musik hören. Ich mit meiner Mama beim Kuscheln. Ich in unserer Küche, wo ich mit meinem Cousin Bananenmilch mixe. Ich beim Malen. In Urlauben. Eigentlich genau das, was man bei Familienbildern eben erwartet.

Nur daß ich auf den Bildern kein Mädchen sehe. Ich sehe einen Jungen. Manchmal trägt der Junge ein Kleid und Sandalen, manchmal einen Bauernzopf, aber trotzdem ist er ein Junge. Beim Betrachten vieler Bilder geht mir auf, daß ich mich an den Moment der Aufnahme erinnern und genau benennen kann, wie ich mich dabei gefühlt habe. Meist wie “einfach ich”, oft wie ein Junge. Es gibt Bilder, wo ich mich an das Unbehagen erinnere, geknipst zu werden – zum Beispiel auf der Hochzeit eines Cousins, wo meine Mutter sich durchgesetzt und mich in ein Laura-Ashley-Kleid mit großem Rüschenkragen gezwängt hatte. Ich sehe aus wie ein grantiger Quarterback im Kleid und habe den Fetzen nie wieder angerührt *lol* Bei der Hochzeit des nächstes Cousins durfte ich dann einen Hosenanzug tragen, den ich echt geliebt habe. Ging doch.

So erzählen viele Bilder eine Geschichte, weniger über den Moment der Aufnahme, sondern eine “Meta-Geschichte”. Die Geschichte, daß Innen und Außen nicht übereinstimmten. Die Geschichte meiner Verwirrung, meines Unbehagens. Je älter ich wurde, desto weniger Bilder von mir im Kleid gibt es. Sandalen? No fucking way! Mit zwölf, dreizehn habe ich angefangen, mich komplett selbst zu kleiden. Auf diesen Bildern sehe ich mehr noch als auf den früheren Aufnahmen einen Jungen. Einen Skater mit Airwalk-Pulli und Chucks.

Ich war gerade 14 geworden, als ich dem Druck nicht mehr standhielt. Ich dachte, wenn alle sagen, daß ich ein Mädchen bin, dann muß ich eins sein. Dann will ich mich endlich anpassen. Will, daß es endlich funktioniert. Das war im Winter 1991/1992. Da wird aus dem Skater ein Mädchen. Die Bilder ändern sich schlagartig. Ich lächle auf keinem einzigen mehr, schaue nur mit zusammen gekniffenen Lippen in die Kamera. Unsicher. Unwohl. Fremd in meiner Haut und in dieser Rolle. Es war da, als ich angefangen habe, es zu hassen, photographiert zu werden. Jedes Bild legte Zeugnis davon ab, daß ich ein Alien war, ein Fake. Zwischen meinem 15. und 18. Lebensjahr sind praktisch gar keine Bilder von mir vorhanden. Was hätten sie gezeigt? Ein Mädchen, das allmählich zur Frau heranreift? Oder doch eher einen Biker, der in Lederjacke und Bikerboots auf seiner 80ccm-Maschine durch die Weltgeschichte brettert? Beides, nehme ich an. Daß mein Vater so ein leidenschaftlicher Motorradfahrer war, bot mir die Freiheit, den Führerschein für die kleine Maschine mit 16 zu machen. Das war cool. Ansonsten war an diesen Jahren eigentlich gar nichts cool – aber das ist ein anderes Kapitel und hat nicht unbedingt mit der Transidentität zu tun.

Naja, so ging es weiter. Erst jetzt fange ich allmählich an, mich photographieren zu lassen. Immer noch relativ ungern, weil mir Posen nicht liegt. Auf Photos habe ich nur einen Blick drauf: authentisch. “Lach mal” funktioniert nicht. Aber ich erkenne mich jetzt auf Bildern. Da ist er wieder – endlich! -, der Junge, der schon immer da war. Vielleicht noch ein bißchen unsicher, ob er wirklich raus darf, wirklich sein darf.

Darf er.

Go ahead, man.

Valo, 24.08.2014, 20:36 | Abgelegt unter: Transgender | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

:: WochenendRückblick ::

[Wetter] So richtig herbstlich mit viel Grau und Regen, aber es gab auch ein bißchen Sonne.

[Gemacht] Beim Friseur und in der Bibliothek gewesen. Im Kunstgroßmarkt gewesen und hart geblieben – nix gekauft *phew* Hardcore Haushalting. Einen Bücherschrank besucht (und “Das Getreidekochbuch” gefunden. Ist zwar nur vegetarisch, dafür aber vollwertig *freu*). Im Naturkundemuseum gewesen und die “Glanzlichter”-Ausstellung angeguckt – Naturphotos vom Feinsten.

[Crafts 'n' Arts] Kaum zu fassen, aber ich habe doch tatsächlich endlich meinen Batik-Sterne-Quilt fertig gequiltet und auch schon die Fäden vernäht. Alruna, jetzt geht es an Deine Tasche *gg*

[Bewegt] Radeln, aber kein Yoga.

[Gehört] Jussi Adler-Olsen: Das Alphabethaus. Zwei britische Piloten werden im zweiten Weltkrieg über deutschem Gebiet abgeschossen. Um zu überleben, schmuggeln sie sich in einen Zug des Roten Kreuzes, wo sie die Rollen zweier “Geisteskranker” annehmen. Beklemmend und gruselig.

[Gelesen] Carolin Philipps: Wofür die Worte fehlen. Der fünfzehnjährige Kristian wird von seinem Stiefvater mißbraucht und schafft es langsam, sich anderen mitzuteilen. Irgendwie auch beklemmend, doch die Geschichte macht Mut.

[Gesehen] Bear Grylls auf Borneo.

[Getrunken] Leitungswasser und Schwarztee und eine sehr geile selbstgemachte Limo.

[Gegessen] Es gab mal wieder unseren Burgerabend und mal wieder lag mir das Essen wie ein Sack Zement im Magen. Nächstes mal Asia Wok für mich. Radieschensuppe. Brötchen mit selbstgemachten Aufstrichen. Cajun-Reis und Würstel. Haferflocken mit Feigen und Trauben. Birnen. Falafel.

[Gedacht] Im Moment habe ich überhaupt kein Verlangen nach Fisch, Fleisch oder sonstwas. Irgendwie schon merkwürdig: wenn ich die Monster füttere, sind sie ganz umgänglich.

[Gefreut] Über einen kurzen Moment, der vielleicht eine Sekunde dauerte, und mich anhaltend glücklich macht und inspiriert.

[Geärgert] Geärgert habe ich mich über das ganze Obst, das ich heute wegwerfen mußte. Ich habe es gestern gekauft. Wie Nektarinen bretthart und trotzdem schimmelig sein können – übrigens 50% meines Einkaufs -, ist mir ein Rätsel *murr*

[Gelernt] Daß Eisvögel unterirdisch brüten. Neulich merkte einer beim Quizduell an, daß es doch unmöglich sein könne, daß ich immer gegen ihn gewinne. Ob ich schummle? Nein, ich merke mir einfach solche Sachen wie mit dem Eisvogel und habe dann gute Karten bei Trivial Pursuit und dem Quizduell :P

[Gekauft] Nur so das Übliche zum Wochenende.

[Dankbarkeit] Fällt mir dieses Wochenende schwer. Am Wochenende habe ich längst nicht soviel Zeit und Raum für mich allein, wie ich brauche, und da werde ich manchmal knöterig.

[Spirituelles] Ja, aber ich glaube, dazu werde ich bald mal separat bloggen. Sehr bald. Vielleicht gleich direkt.

[Und sonst so?] Ich wundere mich gerade ein wenig über die vielen Mails und Kommentare, deren Tenor lautet: Du hast Dich so verändert…! Ja, mei, darum heißt es Transition :mrgreen:

[Ausblick auf die nächste Woche] Uh, ich muß zum Zahnarzt und es wird invasiv. Ich bekomme aber auch lieben Besuch, auf den ich mich sehr freue, und möchte viel nähen und werkeln.

Valo, 24.08.2014, 19:56 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | TB | 4 Kommentare

:: Meditieren! ::

Die Meditationen im Kundalini Yoga sind oft verknüpft mit einem Mudra (einer Hand- oder Körperhaltung) und/oder einem Mantra, manche von ihnen werden sogar dynamisch, also in Bewegung ausgeführt. Als ich 2012 mit Kundalini Yoga begann, empfand ich diese Form von Meditation als die für mich noch am ehesten passendste, weil ich es nicht hinbekam, eine Weile “nur dazusitzen” und “nichts zu tun”. Allerdings gelangte ich durch diese Meditationen auch niemals in einen wirklich meditativen Zustand, wie ich ihn von anderen Gelegenheiten her kannte, z.B. vom Nähen oder Malen, wo der Geist gleichsam sehr wach und sehr entspannt auf eine Sache gebündelt wird.

In den letzten Monaten verschlechterte sich mein Befinden bei den Kundalini Yoga Meditationen zusehends. Ich empfand sie als nur noch lästig und überhaupt nicht schön, konnte mit den vertrauten Mantras nichts mehr verbinden und fragte mich ständig, warum ich überhaupt etwas tun sollte, daß mich so hohl und unerfüllt zurückließ. Drei Minuten Meditieren kam mir wie eine Ewigkeit vor. Zeitgleich konnte ich zum ersten Mal in über zwei Jahren Praxis die lange Entspannung, die für mich bislang immer das Schwierigste gewesen war, richtig genießen. Ich führe das vor allem auf den Faktor der Musik zurück. Bei Musik kenne ich nur Freund und Feind – entweder etwas zündet bei mir oder ich kann es nicht ertragen, quer durch alle Genres und Zeiten. Und vieles, was im Sektor Entspannungsmusik angeboten wird, fällt in die zweite Kategorie, vor allem, wenn auch Synthesizer und Panflöten beteiligt sind. Zu Klangschalenmusik hatte ich mich schon lange hingezogen gefühlt, aber noch nichts entdeckt, das final funktionierte, weil viele Produzenten es leider zu gut meinen und Klangschalen mit anderen Instrumenten arrangieren oder, wenn sie das nicht tun, einfach nicht meinen Nerv treffen. Ich habe bisher sage und schreibe zwei Stücke gefunden, die für mich passen, aber mit denen klappt Entspannen so gut wie noch nie zuvor.

Wenn ich dann in der langen Entspannung lag (im Kundalini Yoga sind das übrigens 7-11 Minuten), merkte ich, in welchen gelösten und zufriedenen Zustand ich glitt, der immer ein jähes Ende fand, wenn ich danach zur Meditation überging. Ich sehnte mich danach, diese Zufriedenheit auszudehnen, und versuchte klassische Meditation. Also hinsetzen, zur Ruhe kommen und meditieren. Aber was zum Kuckuck ist Meditation eigentlich? Mach ich das richtig? Meditier’ ich schon?! Geholfen haben mir ein paar Bücher, allen voran die Folgenden:

  • Sybille Engels und Jan Eßwein: Meditation für Neugierige und Ungeduldige
  • Stephan Bodian: Meditation für Dummies
  • David Fontana: Einführung in die Zen-Meditation

Die Essenz, die ich aus diesen Büchern gezogen habe, würde ich so beschreiben: mein Geist (wobei mir das englische Wort “Mind” zutreffender erscheint) ist eine ziemlich undisziplinierte, aber an allem interessierte Horde Katzen (das Bild mit den Affen sagt mir nix). Wenn ich meinen Geist lasse, dann springt er von Thema zu Thema und produziert dabei eine Menge “Nebengeräusche”, die aus Vorurteilen, Bewertungen, Begierden und Co. bestehen. Leider wurde mein Geist ohne einen Aus-Schalter geliefert – und genau da setzt die Meditation an. Ich kann mich nicht hinsetzen und mal eben ruhig werden und meditieren. Das muß geübt werden, beharrlich, durchaus von Mißerfolgen begleitet (an manchen Tagen geht gar nix, an anderen hingegen viel) und über Monate hinweg. Es gibt viele Vorschläge dafür, wie man meditieren kann, aber für mich funktioniert tatsächlich (derzeit) nur eine Vorgehensweise: hinsetzen und mich auf ein Objekt fokussieren. Dieses Objekt gibt es nicht in der RL, es existiert nur in meiner Vorstellungskraft. Sobald sich meine geistigen Augen und damit auch meine Achtsamkeit von diesem Objekt wegorientieren, refokussiere ich. Das ist alles. Und es funktioniert für mich sehr gut, jedenfalls komme ich jetzt locker auf 15 Minuten und habe, was ich “echte” Meditationserfahrungen nennen würde: innere Ruhe und Gelassenheit, mehr geistige Klarheit, weniger emotionale Verstrickungen.

Viele Meditationslehrer raten Anfängern dazu, sich erstmal auf den eigenen Atem zu konzentrieren, aber wenn ich das mache, das kriege ich plötzlich Schnappatmung und bin alles andere als entspannt. Konzentriere ich mich auf dieses Objekt, fließt der Atem ruhig und regelmäßig.

Eine weitere und noch visuellere Meditationsart, die bei mir auch funktioniert, ist die Yantra-Meditation. Dabei wandert man mit den Augen durch ein Bild, welches sich von außen nach innen aufbaut, wobei meiner Erfahrung nach nicht das eigentliche Wandern, sondern vielmehr das Verweilen an bestimmten Stellen die Meditation ausmacht. Die Yantra-Meditation mündet bei mir allerdings recht schnell in schamanischem Reisen, was ich als etwas völlig anderes als Meditieren empfinde.

Valo, 21.08.2014, 13:22 | Abgelegt unter: Yoga | RSS 2.0 | TB | 3 Kommentare

:: WochenendRückblick ::

[Wetter] Ziemlich kühl und nur zwischendurch sonnig.

[Gemacht] Beim Schuhmacher, in der Bibliothek und in der Stadt gewesen. Bücherschränke besucht. Zugeguckt, wie die Männer Ofenholz in den Schuppen geschichtet haben.

[Crafts 'n' Arts] Ich arbeite gerade an einem Projekt, das ich, wenn es irgendwann mal fertig wird, hier separat vorstellen möchte. Daran habe ich gewerkelt.

[Bewegt] Yoga, u.a. mal wieder die Kriya gegen Streß.

[Gehört] Lincoln Child: Die Wächter der Tiefe. Die Idee fand ich super, aber in diesem Hörbuch hat niemand Spaß oder Sex, wodurch es leider etwas dröge wirkt. Jo Nesbø: Kakerlaken. Harry Hole in Bangkok – wie immer genial.

[Gelesen] Mike Brown – Wie ich Pluto zur Strecke brachte und warum er es nicht anders verdient hat. Brown schildert in diesem Buch, wie er das Objekt Xena jenseits von Pluto entdeckt hat und beide ihren Planetenstatus verloren. Sehr unterhaltsam geschrieben.

[Gesehen] V – die außerirdischen Besucher. Das war mal eine Bücherschrankfindung.

[Getrunken] Leitungswasser und Schwarztee.

[Gegessen] Kohlraben in einer selbstgemachten Zwiebelsauce mit Kartoffelpüree. Tofu und Gemüse in Kokosmilchsauce mit Reis. Kürbissuppe mit Lauch. Mitternachtspasta mit Tomatensauce. Heidelbeeren. Mango. Vollkornbrot mit Räuchertofu und Tomaten.

[Gedacht] Gna…?

[Gefreut] Über wunderschöne Seifenpost von Alicia. Wenn es nicht komisch klingen würde, würde ich sagen, das sind meine Leib- und Magenseifen *gg*

[Geärgert] Über Migräne im Doppelpack. Zyklusbedingte Migräne ist definitiv etwas, das ich nicht vermissen werde! Und mein Auto ist kaputt. Mimimimimi.

[Gelernt] Astrophysikkram.

[Gekauft] Eine Edelstahl-Servierpfanne mit Keramikbeschichtung. Mal wieder so ein Teil, das ich bei der notwendigen Erneuerung durch eine Alternative ohne Plastik ersetze. Und ein Parfum: Hugo Boss / Orange for men.

[Dankbarkeit] Für Migränetabletten, echt mal.

[Spirituelles] Eigentlich nicht.

[Und sonst so?] Dafür war leider keine Zeit.

[Ausblick auf die nächste Woche] Nicht viel. Eigentlich wollte ich zur Selbsthilfegruppe in Stuttgart, aber ohne Auto wird das nix. Merde.

Valo, 18.08.2014, 15:19 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

:: Der gute Transmann ::

Ich beziehe mich mit diesem Artikel auf die Kommentare von Enttäuscht zu diesem Artikel. Ich habe dort zwar gesagt, daß ich die Diskussion nicht führen werde, aber im Grunde hatte ich schon vor ein paar Wochen Notizen für den Artikel gesammelt, den ich gerade schreibe, so daß ich das jetzt einfach zusammen abbacke.

Als Transmann (vielleicht auch als Transfrau – das kann ich nicht beurteilen, würde mich aber über Kommentare etwaig mitlesender Transfrauen dazu freuen) steckt man eigentlich permanent in mehreren moralischen Dilemmas, die einem sowohl von außen aufgenötigt werden, die sich aber sicherlich auch oftmals intern abspielen.

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Das Leben in der “falschen” Genderidentität ist mit der ständigen Auseinandersetzung mit Sexismus verbunden. Eins der ersten Dinge, die ich gelernt habe, war, daß ich Sexismus lieber nicht persönlich nehme, weil es mich sonst dauernd verletzt. Gleichzeitig konnte ich mir keine dicke Haut zulegen, die so dick war, daß es nicht doch wehgetan hätte, als Frau wahrgenommen zu werden. Das hat übrigens nichts damit zu tun, wie bewußt oder nicht-bewußt ich mir meiner Transidentität war, denn unabhängig von dieser Bewußtwerdung hat es mich doch stets gedemütigt, als Frau wahrgenommen und behandelt zu werden. Das klingt vor allem für die Phasen meines Lebens extra-paradox, in denen ich mich nach Kräften bemüht habe, im Frausein anzukommen, und wo ich besonders weiblich erschien, nach außen. Neulich meinte jemand zu mir, ich sei mal so eine “Klischee-Vorzeigehexe” gewesen, was mich total amüsiert, überrascht und getroffen hat. Weil es wahr ist. Das erste moralische Dilemma besteht also darin, Sexismus als gegeben zu akzeptieren, weil man immer wieder die Erfahrung macht, mißgendert zu werden, und weil man sonst einfach daran zerbrechen würde. Manche zerbrechen tatsächlich daran – die möchte ich hier nicht vergessen. Mein Weg war, einfach “robuster” zu werden, wenigstens mal nach außen.

Das zweite Dilemma besteht darin, daß Mr Transmann nach seinem Coming Out mehr denn je in einem Zwiespalt zwischen Innen und Außen steckt. Innendrin ist Dir endlich klar geworden, was schon immer nicht gepaßt hat, auch wenn Du vielleicht noch nicht weißt, wohin der Weg führen wird und wie weit Du gehen willst. Aber nach außen – und im realen Leben mehr denn im Netz – wirst Du nach wie vor als Frau wahrgenommen. Vielleicht als Butch, als Lesbe, als “genderqueere” Frau, aber eben als Frau. Das bringt Dich in einen Zustand permanenten Stresses, weil Du in jeder einzelnen sozialen Situation die Wahl hast, den Mund aufzumachen und zu erklären, daß Du ein (Trans)Mann bist, oder einfach die Klappe zu halten und zu ertragen, daß Innen und Außen so dämlich und verletzend wie nie zuvor auseinanderlaufen. Ich persönlich habe mich dafür entschieden, den Streß möglichst gering zu halten, indem ich mir verdeutliche, daß meine Optik eben die einer (wie auch immer gearteten) Frau ist und ich als solche wahrgenommen werde. Es gibt Tage, an denen mein Passing etwas besser ist, und allgemein reagieren Menschen auf mich in letzter Zeit eher genderverwirrt (was mir schmeichelt), aber insgesamt und vor allem am Telephon werde ich weiterhin als Frau wahrgenommen. Dieses Dilemma wird sich wohl durch die gesamte Zeit der Transition erstrecken und möglicherweise niemals aufhören. Es gibt Transmänner, die auch nach Jahren der HRT (Hormone Replacement Therapy) als Frauen gegendert werden. Wie das bei mir sein wird, weiß ich nicht.

Die Transition als solche ist für mich Dilemma Nummer drei, denn noch nie zuvor in meinem Leben war ich dazu gezwungen, mich dermaßen vor anderen zu entblättern. Es ist schon erstaunlich, wie viele Ärzte mitreden wollen, wenn es darum geht, daß Du im Gegengeschlecht leben willst. Ich finde das vor allem deswegen kurios, weil kein Weißkittel da war, als ich wirklich um Hilfe bat, weil ich bestimmte Lebensumstände nicht mehr ertrug, aber jetzt, wo es mir gutgeht und ich einfach nur als Mann leben will, da wollen sie alle mitmischen. Aber ok, so ist das eben. Das Dilemma besteht darin, daß Du permanent abgeklopft wirst. Die Ärzte, mit denen Du es zu tun kriegst, gucken sich ja nicht einfach Dein Blutbild an und nicken das ab – im Grunde testen sie Dich ständig. Ist Dein Auftreten männlich “genug”? Meinst Du es ernst “genug”? Bist Du Dir der Folgen Deines Wunsches, im Gegengeschlecht zu leben, bewußt “genug”? Dieses andauernde Abklopfen und Austesten wird von Transmännern sehr unterschiedlich wahrgenommen. Ich persönlich versuche, diese Phase als notwendiges Übel zu betrachten und für mich herauszuholen, was geht, indem ich mich ständig erneut auf den Prüfstand stelle, meinen Wunsch, als Mann zu leben, von allen Seiten angucke, mit dieser Rolle experimentiere etc. Manche Transmänner geben sich in dieser Phase übersteuert männlich (was immer “männlich” für sie konkret bedeutet) – immerhin haben wir ‘was nachzuholen. Wie das bei mir ist, weiß ich nicht. Ich kann nur feststellen, daß ich mich nicht wie ein Schauspieler fühle, sondern vielmehr authentisch, relaxed und im Grunde einfach nur freier und wohler als früher. Ich denke nicht viel darüber nach, wie männlich ich wirke. Ich käme nie auf die Idee, vorm Spiegel “männliches Sitzen” oder “männliche Gesten” zu üben. Meine Partner ziehen mich manchmal gutmütig und lustig damit auf, daß dieses oder jenes nicht “männlich” sei, worauf ich kontere, daß ich ja auch schwul bin. Dann lachen wir drüber und gut ist. Andere Transmänner (oder vermutlich: andere Menschen) kämen mit dieser Art von Neckerei vielleicht nicht klar, ich aber schon, denn ich weiß, wie es gemeint ist und fühle mich allgemein extrem unterstützt von meinen beiden Männern. Harrassment aufgrund meiner Transidentität habe ich bisher in keiner einzigen Situation erfahren, weder auf der Straße, noch im Netz oder sonstwo. Ganz im Gegenteil, ich habe das Gefühl, ich werde positiv wahrgenommen und bekomme Unterstützung.

Das vierte Dilemma besteht darin, daß meine eigene Wahrnehmung von Gender, Geschlecht und allem, was damit zusammenhängt, dem zuwiderläuft, was als neue Gendercorrectness unterwegs ist. Ich finde es ja gut, daß sich immer mehr Menschen Gedanken über Sexismus, Rassismus, Speziezismus und die ganzen anderen -Ismen machen, aber ich gebe ehrlich zu, daß ich keine Lust habe, da mitzumischen. Inzwischen lese ich viele Blogs nicht mehr, weil ich sie als öde, prinzipienreitende “Soz-Päd-Scheiße” empfinde. Bewußtsein schön und gut, aber mei, für mich persönlich existiert da ein Punkt, an dem ich es als Verkrampftheit wahrnehme. Und das bin ich einfach nicht. Paßt nicht zu mir. Ich akzeptiere, daß das für andere wichtig ist, aber für mich ist es das nur bis zu einem gewissen Grad. Und das betrifft nicht nur Sexismus, sondern auch andere der -Ismen. Im Grunde halte ich mich für einen total liberalen, toleranten Menschen. Ich akzeptiere Dich in jeder Klamotte, mit jeder Genderidentität, jeder Hautfarbe, jeder Behinderung, jeder Ernährungsweise, jeder safe-sane-consensual Sexvorliebe und jedem Musikgeschmack, sofern Du nicht von mir verlangst, daß ich da ein Politikum drin sehe. Und sofern ich Dich nicht für ein Arschloch halte, was nichts mit Deinen Klamotten, Deiner Genderidentität, Deiner Hautfarbe, Deiner Behinderung, Deiner Ernährungsweise, Deinen Sexvorlieben und Deinem Musikgeschmack zu tun hat, sondern schlicht und ergreifend mit meiner persönlichen Sympathie.

Das fünfte und erstmal letzte Dilemma, das ich wahrnehme, besteht darin, daß von Transmännern verlangt wird, daß sie nicht sexistisch sein sollen, weil sie ja selbst Sexismus erfahren haben und wissen, daß das ganz böse ist. Stimmt, aber so funktioniert das nicht. Es gibt auch Veganer, die veganer sind als andere. Mal so als Beispiel. Menschen sind so. Und ist es nicht auch wieder sexistisch, von Transmännern zu erwarten, daß sie nicht sexistisch sind? :mrgreen: Dazu kommt auch noch eine gewisse Selbstironie, die sich durchaus in Sätzen wie “dieser Chilikäse ist aber nix für Mädchen” niederschlägt. Denn – Surprise, Surprise! – ich bin mir dessen bewußt, daß mich 90% der Leute immer noch als Frau wahrnehmen. Ich kann damit spielen, darüber lachen, mich lustig machen, denn das alles resümiert die sexistische Kackscheiße, durch die ich durchmußte und -muß, bitter und süß und sorgt dafür, daß ich nicht durchdrehe.

Das mag jetzt überraschend sein, aber ich gucke Pornos nicht, weil sie politisch oder gendertechnisch korrekt sind. Ich gucke sie wegen Schwanz und Titten und Ficken, ich gucke sie, weil sie sexistisch sind.

Valo, 17.08.2014, 20:56 | Abgelegt unter: Transgender | RSS 2.0 | TB | 9 Kommentare

:: Dreieckstasche gegen Pinselrolle ::

Meinen ersten Tausch seit gaaaaanz langer Zeit hatte ich mit Jessy, deren fröhliche Filzkreationen ich schon aus so manchem Wanderpaket kannte :)

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Ich hatte schon vor einer ganzen Weile eine Dreieckstasche aus einem Eulenstoff von Robert Kaufmann genäht, die ich nie benutzt habe.

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Diese durfte jetzt bei Jessy einziehen :)

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Im Gegenzug hat Jessy mir eine atemberaubende Pinselrolle gefilzt.

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Ich mußte nur noch ein Verschlußbändel annähen.

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Jetzt kann ich meine Pinsel stilvoll verpacken, wenn ich unterwegs male ♥ Vielen Dank für diesen schönen Tausch!

Valo, 14.08.2014, 21:27 | Abgelegt unter: Täusche,Zaubergarn & Sticheleien | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

:: Sieben Monate ::

Heute ist mein 7-monatiges Jubiläum. Am 11. Januar habe ich meinen Alltagstest gestartet – Zeit für einen kleinen Rückblick.

In den vergangenen sieben Monaten habe ich…

  • mir selbst ein Wochenende lang zugestanden, mich als Mann zu fühlen, zu kleiden und auch so aufzutreten
  • kapiert, daß es nicht bei einem Wochenende bleiben kann und ich tatsächlich trans bin
  • mein Coming Out gehabt, zuerst bei meinen Männern und meinem Hausarzt, dann bald im Netz und zuletzt bei meinem Sohn
  • mir einen transerfahrenen Psychiater gesucht, der mich durch den Prozeß begleitet und vielleicht eines Tages ein Gutachten schreiben wird
  • einen Therapieplatz gesucht (und hoffentlich gefunden)
  • mich endokrinologisch abchecken lassen und rausgefunden, daß nichts gegen eine Hormonersatztherapie spricht (yay!)
  • alle Frauenklamotten aus meinen Schränken entfernt und mich komplett neu eingekleidet
  • konsequent meinen neuen Namen benutzt
  • einen Ergänzungsausweis bekommen
  • mich von ganz vielen Frauen-Spiri-Sachen getrennt und begonnen, mich für Männerspiri zu interessieren
  • mich einer Selbsthilfegruppe angeschlossen und da unglaublich viel Unterstützung und Hilfe erfahren
  • begonnen, mir regelmäßig das Gesicht zu rasieren und ausschließlich Herrenpflegeprodukte und -düfte zu benutzen
  • Vertraute verloren und neue gefunden
  • mich zum ersten Mal in meinem Leben im Spiegel erkannt und mich authentisch gefühlt
  • mich als schwul geoutet
  • so vieles, was in meinem Leben nicht funktioniert hat, verstanden
  • Fleisch- und Fischlust entwickelt und ihr nachgegeben
  • meinen Translebenslauf geschrieben und dabei geheult wie selten zuvor
  • mich besser gefühlt denn je

Was mich allerdings am meisten bewegt, ist die Tatsache, daß es nicht eine einzige Minute innerhalb dieser sieben Monate gab, in der ich mich in mein Dasein als Frau zurückgewünscht oder Amala vermißt hätte, geschweige denn meine Geburtsidentität.

Also happy Siebenmonatiges to me :D

Valo, 11.08.2014, 23:22 | Abgelegt unter: Transgender | RSS 2.0 | TB | 7 Kommentare
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