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:: Wichteln From My Stash ::

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In 59 Tagen ist Weihnachten – ist das zu fassen? Und wie im letzten Jahr möchte ich gern mit Euch wichteln :)

Das Wichteln-From-My-Stash-Konzept: jeder, der kreativ ist, weiß, daß der Stash, also der Berg vorhandener Materialien, im Laufe der Zeit einfach anwächst. Auf vielen Blogs gibt es mittlerweile Beiträge, die davon handeln, wie werkelnde Menschen ihren Stash abzutragen versuchen, um Ressourcen zu nutzen und – sind wir mal ehrlich – Platz für neues Material zu schaffen :) Genau da setzt die Idee vom Wichteln From My Stash an. Wir wollen einander mit schönen selbstgemachten Dingen beschenken, die wir zum Großteil aus Materialien gefertigt haben, die wir bereits im Schrank hatten.

Welche Techniken sind erlaubt? Alle! Egal, ob Du nähst, strickst, stickst, malst, kochst oder bäckst, schreibst, klöppelst oder eine andere kreative Technik ausübst, für das Wichteln From My Stash ist alles erlaubt. Hauptsache, selbstgemacht.

Die Spielregeln: das Wichteln From My Stash ist kein Schrottwichteln und kein Materialtausch; es dient nicht dazu, Ladenhüter oder unverarbeitetes Material loszuwerden. Für Dein selbstgemachtes Geschenk verwendest Du größtenteils Material, das Du bereits jetzt im Schrank hast, sprich: wenn Kleinigkeiten fehlen, können diese neu gekauft werden, Du solltest aber nicht das gesamte Material für das Wichtelgeschenk erst noch kaufen müssen, denn das würde logischerweise dem Konzept der Aktion zuwiderlaufen. Dein selbstgemachtes Geschenk wird schön verpackt und auch eine nette Karte gehört dazu. Der Wert Deines Wichtelgeschenks sollte ohne Porto rund 15 bis 20 € betragen. Die Pakete werden spätestens am 8.12.2014 verschickt und zwar versichert. Wer unversichert schickt, muß bei Verlust für Ersatz sorgen. Sobald Du Dein Geschenk ausgepackt hast, zeigst Du es auf Deinem Blog – wir sind doch alle neugierig :)

Wer kann teilnehmen? Teilnehmen kann jede/r Blogger/in mit einer deutschen Postadresse, der/die Lust hat, anderen eine Freude zu bereiten und den eigenen Stash zu verkleinern.

Wie kann ich mich anmelden? Indem Du eine Mail mit Deiner Wichtelanmeldung an valo @ spiraltaenzer . de (ohne Leerzeichen) schickst. In Deiner Mail teilst Du mir außerdem bitte folgendes mit:

  • eine gültige Adresse in Deutschland, unter der Du Pakete empfangen kannst
  • Deine Vorlieben und Abneigungen. Hierzu gehören auch Allergien und besondere Ernährungsgewohnheiten. Werde konkret – je genauer Du Dich mitteilst, desto besser können Deine Wünsche erfüllt werden :)

Anmelden kannst Du Dich bis zum 1.11.2014 (Mitternacht). Auslosen werde ich dann zeitnah, damit Du möglichst lange für Dein Wichtelgeschenk Zeit hast.

Das Kleingedruckte: nur vollständige Anmelde-Mails führen zur Teilnahme am Wichteln. Falls Probleme auftreten: melde Dich bei mir! Es gibt einfach nichts Frustigeres, als wenn man bei so einer Wichtelaktion leer ausgeht und den Eindruck bekommt, der Wichteldad / die Wichtelmum würde sich nicht kümmern.

Ich freue mich auf Deine Anmeldung :) Wenn Du magst, verlinke diese Aktion samt Icon in Deinem Blog – vielleicht stoßen dann ja auch ein paar neue Gesichter dazu :)

Uns allen frohes Wichteln ♥

P.S.: ich werde diesen Beitrag erstmal oben anpinnen. Für neuere Beiträge also bitte weiterscrollen.

Valo, 26.10.2014, 13:25 | Abgelegt unter: Blogkram,Machungen | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

:: Meine Heimat in der Nußschale ::

Irgendwann im Spätsommer, als ich probieren wollte, wie ich Ei vertrage (pur gar nicht), tauchte natürlich auch ein Eierkarton in meiner Küche auf. Ich hatte jahrelang keine Eierkartons in der Hand gehabt und dachte spontan bei seinem Anblick, daß ich damit doch etwas basteln lassen müßte – ein Diorama meiner Heimat.

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Zuerst habe ich den Karton innen in mehreren Schichten mit weißem Glanzlack auf Wasserbasis lackiert. Zwischen den einzelnen Lagen durfte er in der badischen Sonne trocknen.

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Dann habe ich mir Gedanken über die Gestaltung des Deckels gemacht. Erst dachte ich daran, den Karton auch außen weiß zu lackieren, doch irgendwie schien mir das ein wenig zu öde. Ich wollte, daß er außen relativ unscheinbar bleibt, so daß man, wenn man ihn öffnet, einen Wow-Effekt hat. Also habe ich ein kleines Aquarell gemalt und auf die Oberseite geklebt. Es zeigt die typische Landschaft im Kraichgau mit ihren sanften Hügeln, den großen Feldern und den vereinzelten Bäumen.

 

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Zeitgleich hielt ich den ganzen Sommer über die Augen nach kleinen Naturfundstücken auf, die in die Mulden gelegt werden sollten. In dem Karton befinden sich nun z.B. eine kleine Schneeeulenfeder aus dem Zoo Karlsruhe, ein Birnbaumblatt von der Bruchsaler Streuobstalle, ein Rheinkiesel aus Leopoldhafen und eine Walnuß vom Michelsberg. Die Fundstücke drapierte ich auf violettem Seidenpapier.

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Zuletzt schrieb ich auf Notizpapier aus England (nun ja – Herzensheimat :)), was genau sich in den Mulden und im Deckel befindet, verpackte alles bruchsicher und ab ging die Post.

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Ich glaube, “meine Heimat in der Nußschale” kam gut bei der Empfängerin an :D

Valo, 01.11.2014, 12:32 | Abgelegt unter: Machungen | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

:: Filme im Oktober ::

Auch diesen Monat habe ich wieder notiert, welche Filme ich geguckt habe:

  1. Riddick: Pitch Black. Den Film kannte wahrscheinlich schon jeder, ich habe ihn aber zum ersten Mal gesehen – und fand ihn richtig gut. Filmtechnisch fehlen mir die 90er *schnüff* 105 Minuten.
  2. Transformers. Hat mir gut gefallen, obwohl die zweite Hälfte ziemlich wuselig und daher für mich anstrengend zu gucken war. Mir fällt allerdings auf, daß ich älter werde – viele Hauptdarsteller sind mir inzwischen zu jung. So jung, daß ich mich öfter mal bei Gedanken wie “der darf schon Auto fahren?!” erwische^^. 144 Minuten.
  3. Transformers 2. Ich würde sagen, das war eine konsequente Fortsetzung des erstens Teils. 150 Minuten.
  4. Drei Folgen von Jamie Oliver’s 30-Minuten-Menüs = 90 Minuten.
  5. Prisoners. Zwei Mädchen verschwinden. Der einzige Verdächtige ist geistig behindert, so daß die beiden Väter die Sache selbst in die Hand nehmen, was dem Sheriff die Ermittlungen nicht leichter macht. Ich fand den Film großartig. Ein erzählerisches dichtes, beklemmendes Epos über Schuld, Karma und Verstrickung. 153 Minuten.
  6. Transformers 3 / Dark Of The Moon. Die Idee fand ich sehr geil, der Film war im Stil der beiden Vorgänger. 154 Minuten.
  7. Sherlock. Nachdem mein Mann von der Serie ganz begeistert war, haben wir Teil 1 nochmal gemeinsam geguckt. Diese Folge hat bei mir jetzt nicht unbedingt gezündet (Filmcharaktere und Menschen wie Holmes finde ich unerträglich), weil mein Mann aber findet, die folgenden Teile werden besser, gucke ich vielleicht doch noch weiter. Andererseits kann man in anderthalb Stunden auch viel lesen… (90 Minuten).

Insgesamt habe ich diesen Monat 886 Minuten oder 14,8 Stunden oder 0,6 Tage lang Filme geguckt. Relativ wenig.

Valo, 31.10.2014, 12:42 | Abgelegt unter: Machungen | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

Geschützt: :: Gedankensplitter ::

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Valo, 30.10.2014, 13:19 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | TB | Auch die Kommentare sind durch das Passwort geschützt.

:: KonsumCorrectness ::

Ich habe jetzt seit ein paar Tagen versucht, einen Artikel über ein Experiment von David Pfeifer zu schreiben, von dem er im “Männerheft” der SZ berichtet: ein Jahr lang versucht er, nichts zu kaufen (abgesehen von Lebensmitteln, notwendigen Supplies und Erlebnissen wie Kinobesuchen oder so). Ich habe mehrmals angefangen und dann immer wieder alles, was ich geschrieben hatte, verworfen, weil ich gemerkt habe, wie schwer es mir fällt, zum Kern zu kommen, ohne zynisch zu werden. Konsum ist ein Thema, das in eigentlich alle Bereiche meines Lebens hineinreicht, und entsprechend vielschichtig nehme ich das wahr.

Pfeifers Experiment hat mich entzückt. Nicht nur, weil solche Selbstexperimente mich immer faszinieren, sondern weil ich die Idee, die dahintersteckte, nämlich das Vermeiden von Konsum, der nur wieder Konsum erzeugt, wunderbar finde. Gleichzeitig hat es mich verdrossen. Wenn Du meinen Blog schon länger liest, dann weißt Du, daß ich auch schon öfter laut über Konsumverzicht, sinnvollen Konsum und solche Sachen nachgedacht und Wege gefunden habe, die für mich funktionieren (wie etwa die Erkenntnis, daß, wenn ich schon etwas neu kaufen muß, es doch etwas sein soll, daß nicht nur seinen Job tut, sondern auch noch möglichst lange hält und energiesparend ist). Ich würde mich in der Hinsicht also als nicht ganz unbeleckt empfinden. Trotzdem bekomme ich in den letzten Jahren immer öfter den Eindruck, daß die Ablehnung von Konsum zu einer Art Gegen-Religion zur Konsum-Religion geworden ist. Grundsätzlich befürworte ich, daß sich immer mehr Menschen Gedanken darüber machen, was sie kaufen, was sie wegwerfen, daß tauschen eine Alternative zum Kaufen ist etc. Aber es geht mir auch kolossal auf den Pinsel, daß dabei so polarisiert wird (“was?! Du hast noch Plastik in Deinem Haus? Du gehst nicht containern? Du baust Die Baumwolle für Deine Klamotten nicht selbst an?!”). Die salonfähig gewordene Hyper-Correctness erzeugt mir zuviel Druck, beispielsweise auf diejenigen, die sich die teurere, “korrektere” Alternative nicht leisten können (oder auch schlicht nicht leisten wollen, denn scheinbar wird höchstens akzeptiert, wenn man kein Geld für Fairtrade-Schokolade hat, nicht aber, wenn man das Geld hat, sie aber trotzdem nicht kauft).

Diese neue Cleanness und Korrektheit nervt mich, weil ich sie so überzogen und hysterisch empfinde. Mir scheint es, als gehe es längst nicht mehr darum, das tatsächlich Machbare zu tun und langfristig einen anderen, ressourcenschonenden und menschenfreundlichen Umgang mit Konsum zu finden, sondern vor allem darum, sich in der eigenen Öko-Fairtrade-Antikonsum-Haltung darzustellen und zu profilieren. Dabei ist diese ganze Correctness ja im Grund auch nur möglich, weil wir hier die Zeit dazu haben, darüber nachzudenken, und das Geld, nach Alternativen zu suchen. Nochmal: ich befürworte den bewußten Umgang mit uns selbst, dem Planeten und den Ressourcen total, aber der menschelnde Faktor darin ist für mich ein harter Knochen. Aber das ist er ja überall.

Pfeifers Experiment war für mich allerdings ein wunderbares Lehrstück in Sachen Achtsamkeit, denn nachdem ich seinen Artikel gelesen hatte, ist mir nochmal richtig ins Bewußtsein gekommen, daß ich bestimmte “Baustellen” (wie etwa die ganzen Bücher aus den Bücherschränken oder bereits genähte, aber nicht gequiltete Tops) erstmal bearbeiten möchte, bevor ich neue Baustellen eröffne – was in der Regel mit dem Kauf von Material, ob nun Buch oder Stoff oder sonstwas, verbunden wäre.

Valo, 29.10.2014, 11:45 | Abgelegt unter: Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 4 Kommentare

Geschützt: :: You’re Burning Out ::

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Valo, 26.10.2014, 19:42 | Abgelegt unter: FamilienLeben | RSS 2.0 | TB | Auch die Kommentare sind durch das Passwort geschützt.

:: WochenendRückblick ::

[Wetter] Schönes Herbstwetter mit Sonnenschein.

[Gemacht] Mit dem Sohn gespielt und seinen Kleiderschrank aktualisiert. Mit Mann und Sohn einkaufen und in der Stadt gewesen. Kuchen gebacken. Meine Bücher aufgeräumt – zum Teil. An der Alb spazieren gewesen.

[Crafts 'n' Arts] Ich habe ein bißchen am Amish Circle Letter Quilt weitergenäht und mal ein Auge auf den einen oder anderen Jelly-Roll-Quilt geworfen.

[Bewegt] Leider so gut wie gar nicht.

[Gehört] Harry Potter und der Stein der Weisen. Jede Menge Wovenhand.

[Gelesen] Brian Haycock: Dharma Road. Der Autor hat als Taxifahrer gearbeitet und verknüpft zen-buddhistisches Leben mit seinem Job. Sehr erhellend und erheiternd. Inger Edelfeldt: Jim im Spiegel. Das Buch war eine Bücherschrankfindung. Jim spürt schon sein ganzes Leben lang, daß er anders ist als andere. Als er sich in einen anderen Jungen verliebt, stürzt ihn das in eine Krise. Anna Rummel & Klaus Echle: Fuchs ganz nah. Die beiden Autoren haben ihren innigen Kontakt mit der Füchsin Sophie dokumentiert, in Wort und Bild. Klaus Echle hat für seine Bilder übrigens den Fritz-Pölking-Preis gewonnen – sehr verdient!

[Gesehen] Transformers 3 – The Dark Of The Moon.

[Getrunken] Leitungswasser, Schwarztee, Cola, mein übliches Dreigespann.

[Gegessen] Pasta mit gegrillten Tomaten, Koblauch und Mozzarella. Falafel. Möhren und Frühlingslauch aus dem Päckchen, dazu Kabeljau mit Basilikum-Tomaten nach Jamie Oliver und Schweizer Rösti. Spinat-Apfel-Champignon-Pastete. Spinatsalat. Selbstgebackenes Brot mit selbstgerührten Aufstrichen. Berliner Ballen.

[Gedacht] Ich würde gern ein paar Wochen in den Urlaub. Allein. Weit weg.

[Gefreut] Über ein Jamie-Oliver-Kochbuch im Bücherschrank. Über Graffities unten an der Alb.

[Geärgert] Über Wasserbettkuriositäten. Ich ralle das Teil einfach nicht.

[Gelernt] Zeug über Raumzeit, Raumkrümmung und Einsteins Relativitätstheorie. Meine Männer scherzen, daß, wenn ich so weitermache, ich doch noch irgendein Ingenierusstudium mache. Ich halte dagegen, daß es mir dafür an Grundlagen fehlt. Mathe, Physik und Co. waren in meiner Schulzeit meine schlechtesten Fächer.

[Gekauft] Ein neues Buch von den Lintotts. Klamotten für alle. Als wir hier in unser Haus eingezogen sind, habe ich rumgetönt, daß ich mit einem halben, kleinen Kleiderschrank und einer kleinen Kommode auskomme. War auch so. Bis jetzt. Mal sehen, wie ich das alles unterkriege… Eigentlich hätte ich auch gern eine schöne Aufbewahrungsidee für meine Krawatten, die jetzt noch etwas lieblos über Bügeln hängen.

[Dankbarkeit] Fiel mir dieses Wochenende schwer.

[Spirituelles] Nope, leider nicht.

[Und sonst so?] Ich habe keinen Bock auf die Herbstferien, honestly. Mir ist nicht nach Kindergelaber, Kindergeräuschen, Kinderkram.

[Ausblick auf die nächste Woche] Herbstferien. Haha.

Valo, 26.10.2014, 19:25 | Abgelegt unter: Allgemein | RSS 2.0 | TB | 4 Kommentare

Geschützt: :: The No Good Thing In Me ::

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Valo, 25.10.2014, 21:03 | Abgelegt unter: Androzentrisches,Transgender | RSS 2.0 | TB | Auch die Kommentare sind durch das Passwort geschützt.

:: Abhängigkeit von Transmenschen ::

Diese Woche kam es zu einer Situation, in der mir bretthart klar geworden ist, wie abhängig ich als Transmann von Ärzten, Therapeuten, Gutachtern und der Kasse bin. Zur Transidentität gehören ja ein innerer und ein äußerer Prozeß: ich muß erstmal überhaupt verstehen, daß ich trans bin, und dann den Weg der inneren Transition beschreiten. Zeitgleich strebe ich eine äußere Veränderung an, die ich nur in Teilen (Kleidung, Accessoires etc.) selbst bestreiten kann. Für weitreichende Veränderungen werde ich eine Hormontherapie, möglicherweise OPs und eine offizielle Namens- und Personenstandsänderung brauchen. Und dafür muß ich mit anderen Menschen in Interaktion treten.

Leider sieht das medizinisch-psychotherapeutische Verfahren, das in Deutschland zum Transweg gehört, keinen Kontakt auf Augenhöhe vor. Wenn es diesen gäbe, müßte ich als Transmensch lediglich zu einem Arzt gehen und dem erklären, daß ich trans bin und fortan um Gegengeschlecht leben will, damit ich Hormone, OP-Indikationen und von mir aus einen neuen Namen und Personenstand auf Rezept bekäme. Die Realität ist aber ganz anders. Ich gehe zum Hausarzt, der mir erstmal eine Überweisung zum Psychiater schreibt (oder zum Psychotherapeuten). Der will mich regelmäßig sehen, um sich ein Bild von mir zu machen (ich werde also beurteilt). Erst dann bekomme ich, abhängig von seinem Gutdünken, irgendwann ein Indikationsschreiben für die Hormone, mit dem ich zum Endokrinologen gehen kann. Nach anderthalb Jahren regelmäßiger Therapie darf ich meine Kasse um OPs bitten, die dann entweder Gutachten sehen will oder selbst erstellen läßt. Wenn ich den bürokratischen Weg der Vornamens- und Personenstandsänderung gegangen bin, kann ich diese vorlegen, andernfalls muß ich zum MDK und mich begutachten lassen. Für so ein Gutachten muß ich mich total nackig machen, im übertragenen Sinne. Gutachter wollen oft die intimsten Dinge wissen. In unserem System ist das deren Job. Und so einen Job kann man gut oder schlecht erfüllen – den Transmenschen unterstützend oder ihm Steine in den Weg legend. So oder so, es ist keine schöne Situation, sich so offenlegen zu müssen, selbst wenn am Ende das ersehnte Ziel stehen mag.

Natürlich möchten Ärzte, Therapeuten und Kassen sicherstellen, daß der Mensch, dem sie da Zugang zu weitreichenden hormonellen und operativen Veränderungen gewähren, tatsächlich trans ist. Ich kann verstehen, daß sie da vorsichtig sind, denn wenn der Weg zum Gegengeschlecht schon schwierig ist – der Weg zurück ist ungleich schwerer. Im Vergleich mit anderen Ländern wie etwa den USA oder europäischen Nachbarn wie der Schweiz und Polen haben Transmenschen es in Deutschland relativ “einfach” und “gut”: bei bestehender Indikation bekommen wir die Hormone, die Psychotherapie und sämtliche OPs bezahlt (in England gab es einen Fall von einem Transmann, dem zwar eine Genital-OP bezahlt wurde, nicht aber die Mastektomie, mit der Begründung, daß das ja lediglich eine kosmetische OP wäre – das ist absurd und grausam und kann in Deutschland nicht passieren, wenngleich man auch hier öfter mal vehement für sein Recht eintreten muß).

Aber bei allem Verständnis dafür, daß sich die Offiziellen absichern wollen – das Gefühl, so ausgeliefert zu sein und sich derart offenbaren zu müssen, ist einfach eklig. Ich zumindest bin ein Mensch, der sehr gern sehr viel für sich behält, gerade was die wirklich tiefreichenden Dinge angeht. Mag sein, daß das in meinem Transsein als solchem begründet liegt. Ich habe irgendwann internalisiert, daß man über manche Dinge nicht redet, weil das nur dazu führt, daß man zusätzlich zu dem Gefühl, ein Alien zu sein, auch noch als solches behandelt wird. Das Schweigen zu brechen, auch wenn es für das Erreichen meines Ziels ist, ist schon schwierig, aber das Gefühl, von Dritten abhängig und ihrem Gutdünken ausgeliefert zu sein, ist praktisch unerträglich. Für mich auch deswegen, weil ich in meinem Leben durch echt harte Zeiten gegangen bin, wo niemand da war, obwohl ich um Hilfe gebeten habe. Und jetzt, wo ich weiß, wer ich bin und wie ich leben will, da sind auf einmal alle offiziell besorgt und wollen nur mein Bestes. Das nenne ich mal Ironie des Schicksals.

In der oben angesprochenen Situation, zu der es diese Woche kam, war ich außerdem sehr überrascht von der Reaktion des Arztes. Er behauptete, ich hätte etwas falsch verstanden. Ich erwiderte “das habe ich nicht“, fügte aber keinerlei Erklärungen an, sondern sah ihm bloß fest in die Augen. Ich stehe auf kinesiologische Reaktionen und er wandt sich auf dem Stuhl, räumte schließlich ein, daß der Fehler auf seiner Seite lag. Was war das? Einfach eine Charakterschwäche, ein “nicht so wichtiger” Zwischenfall? Oder die Erfahrung, daß viele Transmenschen so depressiv, beschämt, hilflos oder was auch immer sind, daß sie kommentarlos alles hinnehmen, was ihnen serviert wird? Dieses Vorfall hat mich sehr nachdenklich gestimmt.

Gegen das Gefühl, am kürzeren Hebel zu sitzen, habe ich noch kein Mittel gefunden. Ich versuche, so selbstbestimmt wie möglich durch diese Prozesse durchzugehen und bemühe mich, Ärzten und Therapeuten das Gefühl zu geben, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen und keinesfalls als Bettler zu ihnen zu kommen. Aber das ist eben ein wechselseitiger Kontakt, und wenn einem jemand den Eindruck vermitteln will, man sei von ihm abhängig, dann gelingt das in der Regel auch, und wenn es durch solchen willkürlichen Scheißdreck ist wie bei dem Arzt diese Woche.

Valo, 24.10.2014, 13:03 | Abgelegt unter: Nach(t)denken,Transgender | RSS 2.0 | TB | 4 Kommentare

:: Heiter weiter ::

Zwei dieser Blöcke (Nr. 11 und 71) waren wirklich fordernd für meine Hände, aber ich habe es geschafft :) Hier sind meine neusten Fortschritte beim Amish Circle Letter Quilt:

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(11 – Pineapple Quilt)

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(75 – Diagonal Triangles)

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(32 – Spring Flowers)

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(71 – Jacob’s Ladder)

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(58 – Christmas Cookies)

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