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In den letzten Monaten haben sich Medien und Politik stets süffisant-abwertend über Impfgegner geäußert, die angeführt haben, daß die Corona-Impfungen viel zu schnell freigegeben wurden, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Heute rudern Medien und Politik zurück und stoppen die Verabreichung des ersten Präparats. Aber natürlich hatten die Impfgegner trotzdem Unrecht. Das muß einfach so sein 😀

Sammlungen, Kits und eine Eigenheit

Ein Diagnosekriterium für Asperger Autismus ist das Sammeln von Dingen, meist solche, die mit den Spezialinteressen verbunden sind. In meiner Kindheit war mein größter Schatz eine ausrangierte, zerbeulte Keksdose mit lauter Gummitierchen, die ich über Jahre hinweg angesammelt hatte. Ich erinnere mich noch heute an viele Einzelstücke dieser Sammlung: ein kleiner schwarzer Gorilla aus der Apotheke, drei Hunde auf „Sitzkissen“, einen „Goldi“ aus der Commerzbank, eine blaue Wasserschlange vom Trödel und anderes. Mein Vater hat mit diese Dose weggenommen und sie meiner kleinen Cousine geschenkt, als ich zwölf war. Als ich völlig aufgelöst forderte, daß ich meine Sammlung zurückhaben will, meinte er, ich solle mich nicht so anstellen. Ja, danke. Vermissen tue ich sie heute noch und mehrere Versuche, mir nochmal so eine Sammlung aufzubauen, haben nicht funktioniert. Es ist einfach nicht dasselbe.

Nach dieser Erfahrung, also nach der Entwendung und dem damit verbundenen Verlust meiner ersten Sammlung, habe ich nichts mehr so leidenschaftlich gesammelt, weil mich das Gefühl, jederzeit wieder um etwas so Wichtiges gebracht werden zu können, mutlos gemacht hat. Ich glaube, daß ich heute an so wenigen materiellen Dinge hänge, hat dort seinen Anfang genommen. Es gibt natürlich Besitztümer, die ich mag, meist aber nur deswegen, weil sie funktionieren. Die Funktionalität von Gegenständen steht heute weit über ihrem ideellen Wert für mich. Eigentlich ein bißchen schade.

Als ich Anfang 30 war, hat mich das Sammeln von Halbedelsteinen gepackt. Ich habe eine große Kiste voll und liebe die immer noch sehr, allerdings stelle ich sie mir nicht mehr hin und ich trage sie auch nicht mehr als Schmuck. Vor ein paar Jahren brachte mir mein Mitbewohner aus Schottland ein illustriertes Kartenspiel zum Thema Pilze mit. Es war leider unvollständig und als ich mich beim Hersteller meldete, schickte er mir einen Ersatz und zudem ein weiteres Deck mit Gewürzen. Seither habe ich mir immer mal wieder ein Spiel gekauft und habe heute etwa 50 davon, und sie werden auch benutzt 🙂 Beides, die Steine und die Karten, mag ich wirklich sehr, aber es gibt da keine so emotionale Bindung dran.

Aus praktischen Gründen habe ich inzwischen auch einige Lehrbücher für diverse Sprachen erworben. Ein richtiger Sammeltick ist das nicht, es ist eher so, daß ich nicht gut mit aus der Bibliothek geliehenen Büchern arbeiten kann, denn selbst wenn man sie verlängert (sofern das überhaupt möglich ist und es keine Vormerkungen gibt), muß man sie spätestens nach drei Monaten wieder zurückgeben und normalerweise bin ich nicht gar so schnell, vor allem am Anfang nicht. Bücher habe ich allgemein schon sehr viele in meinem Leben gehabt und über die Jahre wirklich tausende wieder weggegeben. Sie zu sammeln, bereitet mir an sich erstmal keine Freude. Ich finde auch nicht, daß ein Raum ohne Bücher ungemütlich wäre oder so. Sie haben schon eine sehr chaotische Energie, finde ich, und meine Bücher befinden sich heute alle hinter Türen in geschlossenen Schränken verstaut.

Es gibt auch Dinge, die ich früher mal gesammelt, aber nie benutzt habe. Ausgefallene Stifte und Aufkleber zum Beispiel. Diese Affinitäten habe ich immer noch, aber heute versuche ich, das, was ich mir kaufe, auch zu benutzen, weil es irgendwie nicht so richtig Sinn macht, solche Gebrauchsgegenstände nur zu horten. Das hängt wohl auch damit zusammen, daß mich Besitz schnell unruhig macht, vor allem wenn er viel Platz wegnimmt oder wie die Bücher eher chaotisch ist.

Neulich, beim Stöbern im Internet, bin ich auf Polly Pocket aufmerksam geworden. Dieses Spielzeug gibt es seit meiner Kindheit und ich finde die Idee total faszinierend und cool. Also, dieses kleinformatige Spielzeug, das so vielfältige Funktionen hat und so platzsparend verräumt werden kann. Im Laufe meines Lebens hatte ich mir schon mehrere Kits für alles Mögliche gebastelt, von einem Survival Kit über einen tragbaren Altar und eine Notapotheke für unterwegs bis hin zu einem Räucher Kit und einer Gewürzdose mit diversen Gewürzen und Kräutern drin. Polly Pocket erinnert mich auch ein wenig als meine Gummitierdose, wenngleich die natürlich keine vorgegebene Landschaft dabei hatte. Jedenfalls habe ich überlegt, ob ich Freude an einer Polly Pocket Dose hätte, aber ich nehme an, das wäre bloß aus nostalgischen Gründen und nicht, weil ich damit spielen würde. Ich habe auch überlegt, ob ich mir zu irgendeinem Thema mal wieder so ein Kit basteln will – es wäre einfach ein netter Zeitvertreib und wer weiß, vielleicht wäre es sogar irgendwann mal nützlich, wenn ich wieder das Haus verlassen kann.

Als erstes dachte ich an ein Sprachlern-Kit, z.B. für Spanisch oder Norwegisch. Ich könnte mir kleine Aufgaben auf Karteikarten schreiben wie „beschreibe, was Du siehst“, „benenne zehn blaue Dinge in Deiner Umgebung“ oder „erzähle von Deinem Lieblingsfilm“ etc. Wenn ich dann irgendwo Wartezeit habe, könnte ich eine Karte ziehen und die Aufgabe entweder sprechend oder schreibend oder auch – im Beisein von anderen – in Gedanken erledigen. Das Konzept ist noch nicht ausgefeilt, aber die Idee gefällt mir schonmal.

Zum Thema Stifte habe ich noch eine kleine Anekdote. Neulich ist mir von einem meiner Druckbleistifte der Clip abgebrochen. Ich trage den nie in einem Hemd oder so und brauche den Clip überhaupt nicht, aber daß es da jetzt eine Bruchkante gibt und der Stift defekt ist, hat mir derart genervt, daß ich mir einen neuen bestellt habe. Die Funktionalität ist übrigens noch gegeben, aber ich kann diesen Defekt nicht ertragen. Das ist auch etwas sehr Aspergeriges, also daß Dinge nur auf eine bestimmte Weise in einer bestimmten Form funktionieren. Chips kann ich nur essen, wenn die Tüte oben aufgerissen wurde – dabei schmecken sie doch genauso, wenn man sie unten aufreißt. So stimmt es aber nicht und darum funktioniert es nicht. Mein Opa hat übrigens früher immer Konserven umgedreht und an der Unterseite geöffnet. Begründung: „Damit ich weiß, wo oben ist“. Hat mich schon als Kind herrlich verrückt gemacht, lol 😀

Vom Bloggen und vom Selbstschutz

Im Mai 2008 habe ich mein allererstes Blog eröffnet. Ich wußte am Anfang gar nicht recht, wohin die Reise gehen soll, und habe erstmal über Alltagsdinge und Sachen, die mit meinen Hobbies verbunden waren, geschrieben. Es ging recht schnell, daß ich herausfand, was für mich am besten funktionierte, nämlich genau das zu schreiben, was ich sagen wollte und auch so meinte. Innerhalb von recht kurzer Zeit hatte ich dann rund 3000 Leute täglich zu Besuch auf meinem Blog. Es kamen immer mehr Kommentare und auch oft Mails. Viele Leute schrieben mir, wie sehr sie die Offenheit mögen und zum Teil auch bewundern würden, mit der ich schrieb. Natürlich haben mich die Schmeicheleien und Komplimente gefreut. Sie gaben mir Antrieb, mit meiner gefundenen Linie weiterzumachen.

Im Laufe der Jahre entwickelte ich mich weiter. Die Themen veränderten sich ein wenig, aber was blieb, war die Ehrlichkeit, mit der ich über Erlebnisse und Gedanken schrieb. Irgendwann tauchte mein Name dann in „Lästerforen“ im Netz auf und das, was ich mit der guten Absicht geschrieben hatte, vollkommen ehrlich zu sein und damit vielleicht sogar anderen zu helfen, flog mir um die Ohren. Verstanden habe ich das zum damaligen Zeitpunkt nicht, weil ich einfach nicht begreifen konnte, warum vollkommen Unbekannte, die noch nicht mal den Dialog mit mir gesucht hatten, derart häßliche Dinge über mich schreiben konnten. Diese Form von Naivität ist so typisch Aspie, daß ich heute, wo ich auf diese Zeit zurückblicke, krasses Mitgefühl mit mir selbst empfinde.

Die Ehrlichkeit und die Naivität, mit der Aspies an Kontakte herangehen (nichts anderes als ein Kontaktangebot mit einem meist anonymen Gegenüber ist ja nun mal das Bloggen), scheinen mir in besonderem Maße schützenswert. Obwohl ich selbst Autist bin, rühren sie mich immer wieder an, wenn ich im Kontakt mit anderen Aspies bin. Manchmal ist das sehr schmerzhaft, wenn man einem anderen Menschen, der sehr ähnliche Denkmuster hat, wie man selbst, aber bestimmte eklige Erfahrungen noch nicht gemacht (oder nicht erkannt) hat und sie daher nicht identifizieren kann, erklären muß, daß bestimmte Dinge eben nicht nett, sondern im Gegenteil einfach gemein oder abfällig gemeint waren. „Warum sagt derjenige denn sowas?“ – tja, wenn ich das wüßte… Meist vermutlich tatsächlich ohne echten Anlaß und bloß aus Spaß am Arschlochsein.

Nachdem ich mich dann eine Weile vom Bloggen zurückgezogen hatte, bin ich aber doch wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Das liegt daran, daß mir Bloggen soviel mehr Spaß macht als Bildchengucken und Liken auf irgendwelchen Social Media Plattformen. Ich finde es sehr schade, daß viele Blogger/innen von damals nicht mehr schreiben. Es war eine bereichernde Zeit für mich, in der ich trotz aller Barrieren im sozialen Miteinander, die ich nunmal habe, das Gefühl hatte, in eine Gemeinschaft eingebunden zu sein. Es sind wirklich sehr schöne Dialoge entstanden und auch tolle Aktionen (Wichteln und so). Wer weiß, vielleicht kommt ja die Zeit des Bloggens irgendwann zurück. Ich würde mir das wünschen.

Ich weiß aber auch, daß ich nie wieder so offen und ehrlich schreiben würde, wie ich das damals tat – aus Selbstschutz. Das war eine Lektion, die ich lernen mußte.

Weltuntergang für Aspies

Gelegentlich schaue ich mir den Content von Leuten, die ich aus meiner Spiri-Blogger-Zeit noch kenne auf Instagram an. Einige Frauen, die ich von damals kenne, posten heute weniger Spiri- als vielmehr Öko-Lifestyle-Content und werden nicht müde, zu betonen, daß die Welt in ungefähr elf Jahren untergeht. Basis für diese Aussage ist der verschwenderische Umgang mit Ressourcen und die Klimaerwärmung und alle mit ihr verbundenen Folgen. Diesen Szenarien zufolge müssen in elf Jahren rund 2 bis 3 Milliarden Menschen umgesiedelt werden, die subtropische Landwirtschaft kommt zum Erliegen und Arktis und Tropenwald hören im Grunde zu existieren auf, was die Klimasituation auf der Erde noch verschärft. Darum plädieren diese Frauen für Zerowaste und Fahrrad statt Auto und weniger Konsum.

Halte ich grundsätzlich für richtig. Aber ich merke auch, daß ich in einigen Aspekten total auf Distanz zu der in ihren Posting mitschwingenden Panik und Hysterie gehe. Stell Dir vor, die Menschheit stirbt aus. Und? Ich denke, das juckt niemanden außer der Menschheit selbst. Ist das nun zynisch oder nur realistisch? Verglichen mit Dinos, die immerhin ein paar Millionen Jährchen hier waren, oder mit Insekten, die sowieso die ungekrönten Könige des Überlebens sind, wären wir dann nun ziemlich kurz hier gewesen. Aber spielt das eine Rolle? Realistisch betrachtet überhaupt nicht.

Für mich heißt das nun im Umkehrschluß nicht, daß man zum Klimaschutz nichts beitragen sollte. Wenn jeder das tut, was ihm möglich ist, wird schon vieles bewegt. Das Problem, daß Menschen eine sehr miese Reaktionszeit haben, ist mir bewußt, und auch, daß die Zeit knapp werden könnte. Es ist nur so, daß ich die Existenz des Menschen bzw. aller Arten von Leben für etwas Zyklisches halte. Selbst die Erde als solche wird nicht ewig existieren – in zwei Milliarden Jahren kracht sie in die Sonne und bis dahin wird zumindest menschliches Leben hier sowieso nicht möglich sein (weil die Sonnenannäherung einfach zu heiß ist).

Hello again

Ich habe hier an dieser Stelle schon mal gebloggt. Angefangen hatte ich 2008 und nach fast sieben Jahren dann irgendwann den Stecker gezogen, weil es mir zuviel geworden war. Hätte ich damals über mich gewußt, was ich heute weiß, hätte ich vieles anders gemacht und vor allem anders bewertet. Aber gut, so ein Lebensweg verläuft selten gradlinig. Ich habe die Jahre dazwischen gebraucht, um mich besser verstehen zu lernen.

Hallo. Mein Name ist William, ich bin aktuell 41 Jahre alt und vermutlich bin ich Asperger-Autist. Ich schreibe vermutlich, weil ich die offizielle Diagnostik bisher nicht durchlaufen habe, jedoch kurz davor stehe. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, warum ich den Faden hier wiederaufnehme.

Schauen wir mal, wohin die Reise geht…