Idiokratie

Ich habe heute das erste Mal seit ein paar Wochen den Instagram-Account einer Frau aufgerufen, deren Blog und Insta-Beiträge ich jahrelang gelesen habe, bis ich gemerkt habe, daß mich das, was sie von sich gibt, immer mehr auf die Palme bringt.  Sie hatte in ihrer Story einen Link zu einem Beitrag eines anderen Instagrammers, der behauptete, Linksextremismus sei eine Erfindung der bürgerlichen Mitte. Weiterhin hieß es, daß die sog. Mitte sich für die rechte Seite entschieden habe, wenn sie empörter über zerschlagene Fensterscheiben als über die Toten von Hanau sei.

Ich denke, als ich das gelesen habe, ist mir mit einem Schlag klar geworden, was ich seit Monaten (seit ich mich wieder auf Nachrichten und Instagramm eingelinkt hatte) nicht so richtig formuliert bekommen habe. Wir haben nicht nur ein massives Wahrnehmungsproblem (es ist nämlich einfach nur unwahr und schäbig, der politischen Mitte unterzuschieben, die Randaleaktionen in Leipzig würden sie mehr beschäftigen als die Toten von Hanau – beides löst meiner Ansicht nach sehr zu Recht Empörung und Betroffenheit aus und diese Darstellung ist in meinen Augen nichts weiter als manipulativer, linksfaschistischer Scheißdreck), sondern auch ein ganz tiefgreifendes Bildungsproblem. Die Leute, die heute ungefiltert ihre Meinung auf allen Kanälen rausposauen können und die fatalerweise auch noch als superaufgeklärte Helden ihrer Zeit wahrgenommen werden, sind oft einfach ungebildet, desinformiert und dumm.

Mit manipulativer Kackscheiße und mit Dummheit kann ich nicht gut umgehen. Beides macht mich einfach unfaßbar aggressiv. Da wir aber gerade in einer Zeit leben, in der die meisten Dummheit von Weisheit nicht mehr unterscheiden können, weil sie selbst zu ungebildet und kritikunfähig sind, findet noch nicht einmal ein aufgeklärter, offener Diskurs statt, weil der nämlich gleich zum Scheitern verurteilt ist oder es nur darum geht, wer mehr Follower, mehr Likes und damit die größere Plattform hat. Heute geht es mehr darum, sich zu produzieren, sich darzustellen und angesagt zu sein, als eine handfeste politische Diskussion bestreiten zu können, im alten Stil. So mit Argumenten und Fakten. Meinungen haben Argumente und Tatsachen in weiten Bereichen ersetzt. Ich für meinen Teil finde die gegenwärtige Entwicklung, die demokratische durch idiokratische Strukturen schleichend ersetzt, ziemlich gruselig.

Schräge Begegnungen

Diese Woche hatte ich eine richtig bescheuerte Online-Begegnung. Auf einem internationalen Portal für Brieffreunde hat mich ein älterer Deutscher angequatscht und wir haben ungefähr eine Stunde miteinander gechattet. Das mache ich eigentlich nie, weil es mich nicht interessiert, aber er schien gebildet und das Gespräch war echt nett. Nachdem ich mich verabschiedet hatte, kamen am selben Abend weitere sechs Nachrichten, am kommenden Tag dann nochmal 13. Als ich mich einloggte, wurde ich sofort mit weiteren Nachrichten befeuert, in denen er immer wieder fragte, ob wir wieder chatten wollten. Ich antwortete nur kurz und sagte, daß ich keine Zeit hätte, während ich nach der Möglichkeit suchte, meinen Status auf privat zu stellen. Leider bietet das Portal diese Option nicht. Super Sache. Er textete also weiter. Ich sei ja so nett und das Gespräch wäre so toll gewesen und er wolle gern wieder reden, blablabla. Ich ging grußlos offline.

Später am Abend ging ich wieder auf das Portal, weil mir ein Brieffreund eine Nachricht geschickt hatte, und entdeckte weitere Nachrichten von besagtem Typen. Und als er mich sah, quatschte er sofort weiter und fragte erneut mehrmals, ob wir nicht chatten wollten. Als ich sagte, daß ich dazu keine Lust habe und ich seine Nachrichten im Übrigen etwas lästig finde, verfiel er in eine Laune, die eine seltsame Mischung zwischen Weinerlichkeit und Vorwürfen war. Ich sagte ihm nach einigen Nachrichten seinerseits („warum hast Du denn keine Lust, mit mir zu reden? Es war doch total nett, zu quatschen, oder? Oder? ODER?“), daß ich allgemein nicht besonders an Menschen interessiert bin, weil ich Autist bin. Ich gab diese brüske Erklärung, weil ich hoffte, das würde ihn auf Abstand halten. Stattdessen zog er ernsthaft in Erwägung, daß er mich ja mit seiner fabelhaft-verständnisvollen Art heilen könnte. Ich machte den Fehler, es noch einmal vernünftig zu versuchen, und erklärte, daß ich nicht „geheilt“ werden müsse, weil ich nunmal so sei, woraufhin er mir schrieb „Du bist ja krank“. Und wer so nett darum bittet, blockiert zu werden, bekommt diesen Wunsch natürlich auch erfüllt.

Warum schreibe ich jetzt darüber?

Weil mich diese absolut beknackten zwischenmenschlichen Erfahrungen, die ich immer wieder mache, so ankotzen. Ich bin mir meiner eigenen „Defizite“ ja durchaus bewußt und gebe mir im Umgang mit Menschen wirklich Mühe, indem ich höflich und vorsichtig bin, klare Botschaften abschicke (also ich-Botschaften und klare, direkte Worte) und nie etwas verspreche, von dem ich nicht absolut weiß, daß ich es auch halten kann. Aber trotz aller meiner Vorsicht gerate ich immer wieder in unverhältnismäßig dämliche Kommunikationen oder „Beziehungen“ rein. Dabei zeichnen sich zwei Muster ab. Entweder wollen Leute am liebsten sofort meine besten Freunde sein und hätten gern ganz viel Aufmerksamkeit, was ich dann aber schnell als klettig und damit lästig empfinde und daher ausweiche oder gar nicht mehr reagiere. Oder ich setze dem Gegenüber direkt und meist von ihm unbemerkt ganz klare Grenzen, deren Überschreitung ich in keinster Weise dulde (auch nicht von mir selbst), um damit direkt einen fetten Abstand einzuhalten, was dazu führt, daß ich unverbindlich und unnahbar wirke – was ich gar nicht immer will, was mir aber in jedem Fall am vernünftigsten erscheint. Besser Abstand halten als wieder „verschlungen“ werden.

Was ich richtig mies finde, ist, daß sich dieses Muster auch mit einer Freundin ausprägte, die selbst Aspie ist. Darum ist sie jetzt nicht mehr meine Freundin btw. Wenn ein Aspie einem anderen in der Hinsicht nicht vertrauen kann – wem denn dann?

Ich glaube ja inzwischen, daß Aspies ein paar ziemlich attraktive Wesensmerkmale haben müssen, denn sonst gäbe es wohl nicht so viele Leute, die gern sofort Aspies bester Freund sein möchten, allerdings glaube ich auch, daß dieser Tanz zwischen Nähe und Distanz sich für Aspies ganz anders darstellt als für neurotypische Menschen (sogar neurotypische Introverts). Vielleicht ist es auch gerade die Selbstgenügsamkeit und die Unabhängigkeit, die Aspies für andere so anziehend macht. Ich weiß es nicht genau.

Ich merke nur, daß ich es mit zunehmendem Alter immer schwieriger finde, Menschen überhaupt zu ertragen, und daß ich immer weniger Lust dazu habe, mich auf Menschen einzulassen. Hier spielt sicherlich auch die Hochbegabung stark mit rein – das ist ein Thema, das ich mir sehr gern nochmal genauer angucken möchte. Jedenfalls ist es einfach frustrierend, daß sogar sowas wie ein Portal für Brieffreunde, wo ich dachte, daß ich da einen gepflegten long-distance-Kontakt finden würde, so ein Minenfeld sein kann. Fühle mich eigentlich nirgendwo relaxed und sicher, wo es Menschen gibt. Menschen sind wie Bomben, die jederzeit hochgehen können. Und auch wenn sie nur so vor sich hinticken, sind sie sehr laut…

 

YouTube-Schätzchen

In einem Video behauptet jemand etwas und behauptet dazu, es sei wissenschaftlich erwiesen und es gäbe Studien dazu. Da mich das Thema interessiert, frage ich nach und bitte um Quellenangaben, weil ich das alles gern nachlesen würde (und gern wüßte, ob die Quellen vertrauenswürdig sind, weil mir die Sache absurd vorkommt). Ich bekomme zur Antwort, daß man mir keine Quellen nennen könnte, aber daß das alles total wissenschaftlich sei. Ich bitte also erneut um Quellen und weise darauf hin, daß die videomachende Person mir ja einfach die Quellen und Studien nennen kann, die sie selbst verwendet hat. Antwort: da müsse ich schon selber gucken.

Ich gucke also, finde aber nichts zu dem Thema. Nur verschwurbelte Hinweise auf einer Seite, die auch gern Lungenentzündung mit Weizengrassaft kurieren möchte. Okay.

Ich schreibe also, daß ich keine wissenschaftlichen Quellen finde und bitte nochmal um die Nennung der Studien, auf die sich die videodrehende Person bezogen hat. Diese ignoriert mich, dafür springen aber andere Zuschauer ein: der videoerstellende Mensch müsse mir gar nichts mitteilen, ich solle selber suchen (was ich ja schon getan habe). Und es sei doch schon superfabelhaft, daß überhaupt so ein Video gemacht würde, um uns aufzuklären.

Hä? Hat die Generation der weltrettenden Hipster vergessen, wie man wissenschaftlich arbeitet und was objektive Fakten sind? „Jemand auf YouTube behauptet das und darum muß es wahr sein“?

*facepalm*

Sag, was Du meinst…

Im Juni habe ich mich aus einem Forum verabschiedet, in dem ich einige Jahre aktiv war, zuletzt auch als Moderator. Ich hatte in diesem Forum eine Frau kennengelernt, die manchmal mit psychotischen Episoden zu kämpfen hatte, und scheinbar hat ihr meine rationale Art oft ein wenig geholfen. Zwischen uns hatte sich keine Freundschaft entwickelt, aber wir hatten sehr konstruktive Gespräche. Mit ihr hatte ich nach meinem Abschied vom Forum noch ein paar Wochen Kontakt, bis sich eine ihrer psychotischen Episoden gegen mich richtete. Konkret vermutete sie, ich sei jemand anders. Ich habe darauf so rational und unemotional reagiert, wie ich das immer getan hatte, und sie darauf hingewiesen, daß sie gerade wieder in so eine Phase entglitt. Sie jedoch war der felsenfesten Überzeugung, ich würde sie ausspionieren (das ist nicht die ganze Story, aber ich will das hier nicht auswalzen). Jedenfalls zeigte sich, daß diese Befürchtungen wohl davon ausgelöst worden waren, daß ich eben nicht mehr im Forum verfügbar war, und da sich das nicht wieder ändern würde, war es für mich dann auch folgerichtig, daß wir den Kontakt einstellten.

Heute bekam ich die erste Mail seit Juli von ihr. Sie wünschte mir ein gutes neues Jahr und fragte mich, ob sie mir etwas per Post zuschicken dürfe, das für eine Frau aus besagtem Forum gedacht ist, der sie selbst aber nichts direkt zusenden wollte, weil sie nicht wisse, ob sie dieser Frau vertrauen könne (wegen der Bekanntgabe ihrer Adresse). Sie wolle mir dieses Ding also schicken und ich sollte es bitte umtüten und an die Frau weitersenden. Ich wünschte ihr ebenfalls ein gutes neues Jahr und antwortete auf ihre Frage, daß ich ihr nicht helfen werde, weil ich es nicht anständig finde, daß sie sich nach so langer Zeit nur deswegen bei mir meldet, weil sie meine Hilfe in Anspruch nehmen möchte. Sie schrieb zurück, daß es ihr leidtäte, daß mich die Sache so verletzt habe, aber daß es ja nicht darum geht, daß sie meine Hilfe für sich wolle, sondern lediglich für die andere Frau. Ich antwortete ihr daraufhin nur noch ganz knapp und erwarte bzw. hoffe eigentlich, daß sich das damit erledigt hat.

Warum erzähle ich davon? Weil das ein NT-Verhalten ist, das mir schon immer sehr auf die Nerven gegangen ist. Mir ist es schon oft passiert, daß NTs, mit denen ich entweder noch nie was zu tun hatte (wie z.B. entfernte Bekannte, mit denen man vielleicht drei Worte gewechselt hat) oder mit denen der Kontakt schon lange eingeschlafen oder abgebrochen war, plötzlich wie der Teufel aus der Kiste hopsen und wieder in meinem Leben auftauchen – sobald sie etwas von mir wollen. Ich glaube ja eigentlich, daß Aspies im Sozialverhalten nicht so wahnsinnig geschickt sind, aber dieses Muster im Verhalten von NTs finde ich schon sehr abgefahren. Ist mir tatsächlich noch nie mit Aspies passiert.

Ich finde es auch total abgefahren, daß sie meine klare Zurückweisung ihrer unanständigen Bitte so umdeutet, als habe ich das Problem, weil ich verletzt sei (was ich nicht einmal bin, weil sie mir eben nicht wichtig war) und nicht einmal über meinen eigenen Schatten springe könne, wenn es um Hilfe für eine dritte Person geht.

Ich frage mich in diesem Kontext, wo in meinem Leben ich in früheren Jahren in solche geschickt gestellten rhetorischen „Fallen“ reingelaufen bin, also, wo ich mit Rechtfertigungsversuchen, Schuldgefühlen oder auch Zugeständnissen auf Manipulationen oder reine Arschigkeit reagierte, weil ich nicht so klar sehen konnte wie heute, wie NTs gegen mich kommuniziert haben. Schon ein bißchen gruselig.

Joschi hat die Hosen an

Neulich beim Einkaufen stand ich an der Kasse neben einer Mutter, die mit einem etwa achtjährigen Jungen unterwegs war. Der Junge – Joschi – fegte flugs die Shampoo-Miniaturen aus dem Regal neben sich auf den Boden. Seine Mutti forderte ihn dreimal dazu auf, sie wieder aufzuheben, was Joschi jedesmal mit einem souveränen „Nein“ abschmetterte, das keine Widerrede duldete. Seine Mutti widersprach auch nicht mehr und hob die Shampoos selbst wieder auf. Weil – „ist ja egal, wer sie aufhebt“.

Joschi hat halt die Hosen an.

Selber Tag, im Laden gegenüber: ein Kind sitzt in der Kühltheke auf den Joghurts und quengelt herum, daß ihm langweilig ist. Zwei Kinder spielen Kriegen und rennen Leute über den Haufen. Ein Kind rollt Kürbisse durch den Laden, weil es Kegeln spielen will. Die Erwachsenen tun so, als wäre das alles völlig normal. Ich kaufe ein und verstehe die Welt nicht mehr.

 

Arztfail

Als ich Anfang des Jahres die Diagnose Asperger bekam, riet mir meine bisherige Therapeutin dazu, einen Beratungstermin bei einem Autismusspezialisten in meiner Region zu machen mit dem Zweck, für mich Klarheit darüber zu erlangen, ob ich eine Therapie oder lieber Ergotherapie oder beides oder nichts davon machen wolle. Ich rief also in der Praxis dieses Menschen an – im April. Man teilte mir mit, daß es eine sechsmonatige Wartefrist gebe, wozu ich mein OK gab. Ich erhielt einen Termin für diese Woche, also im Oktober.

Nun bin ich gerade verletzt und kann nicht das Haus verlassen, geschweige denn Auto fahren. Also rief ich heute in der Praxis an, um den Termin zu verlegen. Die Arzthelferin konnte aber weder meinen Termin noch meine Person im System finden. Ich erklärte, daß ich diesen Termin bereits im April ausgemacht habe, worauf sie mir ins Wort fiel und sagte, das sei ja ganz und gar unmöglich, weil sie doch nur vier und nicht sechs Monate Wartezeit hätten. Aha. Und was hätten die jetzt gemacht, wenn ich zu dem Termin am Donnerstag erschienen wäre? Mich wieder weggeschickt?

Ich habe kurz überlegt, ob ich sie fragen soll, ob sie denkt, daß ich lüge. Aber da solche Fragen in der Regel nicht zielführend sind, habe ich ihr einfach gesagt, daß sie es vergessen soll und aufgelegt.

Warum? Weil mich zum einen so eine Schlamperei in einer Praxis massiv nervt. Das ist einfach nicht verläßlich und ich habe keinen Bedarf an weiteren „Zitterpartien“ in meinem Leben. Es täte mir nicht gut, bei jedem weiteren Termin zu befürchten, daß ich wieder vergessen worden wäre. Oder daß mir bei irgendwelchen Dingen nicht geglaubt wird – wenn das schon bei so Kleinigkeiten wie der Terminvergabe der Fall ist. Zum anderen habe ich in den Monaten, die seit der Diagnosestellung vergangen sind, schon sehr viel über mich und meinen Autismus gelernt. Darüber schreibe ich ein anderes Mal.

Bequemlichkeit ist keine Behinderung

Derzeit besuche ich einen VHS-Kurs für eine Fremdsprache. Dieser findet an einer Schule hat. Auf dem Hof dort gibt es drei Behindertenparkplätze, die mit den entsprechenden Schildern gekennzeichnet sind. Bereits im letzten Wintersemester stellte ich fest, daß immer zwei und manchmal sogar alle drei von Leuten belegt werden, die den dafür benötigten blauen Parkausweis nicht haben. Bereits im Winter hatte ich diesen Menschen kleine Zettel mit der Nachricht „Bequemlichkeit ist keine Behinderung“ und einer kurzen Erklärung, daß man für das Parken auf diesen Plätzen den blauen Parkausweis für sog. außergewöhnlich Gehbehinderte braucht, unter die Scheibenwischer geklemmt. Der Effekt war gleich Null. Die Autos parkten weiterhin dort. Und als ich nun den Sommerkurs besuchte, standen genau dieselben Autos wieder da.

Das Problem auf diesem Hof ist, daß der Bereich direkt neben den Behindertenparkplätzen mit absolutem Halteverbot ausgewiesen ist. Und das war es dann auch schon mit der Beschilderung des gesamten Bereichs. Da sind also keine anderen Parkplätze ausgewiesen. Mir ist ja auch klar, daß Rettungswege freibleiben müssen, und darum bin ich kein „Wildwestparker“.

Da es mich unfaßbar ärgerte, daß dieselben Nasen schon wieder/immer noch unberechtigterweise auf den Behindertenplätzen standen, machte ich davon Photos und mailte diese dem Ordnungsamt mit der Anfrage, wie das Verfahren bei einer Anzeige sei und ob es ggf. eine Nummer gebe, unter der man anrufen und die Falschparker direkt entfernen lassen könne. Zur Erklärung: selbst das Halten auf Behindertenparkplätzen ist ein Strafbestand und laut StVO kann da sofort abgeschleppt werden. Außerdem mailte ich dem Sekretariat, daß die Behindertenparkplätze dauerhaft von Unbefugten genutzt werden und ich das zur Anzeige bringen werde.

Am nächsten Tag zwei Überraschungen. Erstens teilte das Ordnungsamt mir mit, daß man da nichts machen könne – abgesehen von einer Privatanzeige. Weil das Ordnungsamt sich dafür nicht zuständig fühle. Es sei ja ein Privatgrundstück. Aber wenn ich vor Gericht ziehen wollte, dann wäre das Verfahren so und so und so. Zweitens mailte mir der Schulleiter, der mir sagte, es sei mit dem Ordnungsamt abgesprochen, daß die Schulleitung samt Stellvertretung zwei der drei Behindertenplätze dauerhaft belegen dürfe, weil es ja sonst keine Parkplätze für die Schulleitung gäbe. Es wäre doch sehr schade, daß ich nicht den Dialog gesucht hätte, weil man dann ja eine Lösung hätte finden können.

Ja, und hier setzt nun der Teil ein, den ich für sehr aspergerig halte (weswegen ich das alles hier überhaupt schreibe).

  1. ein Schulgrundstück ist städtische und nicht private Fläche. Selbstverständlich ist das Ordnungsamt dafür zuständig.
  2. eine Absprache seitens der Schulleitung mit dem Ordnungsamt für die widerrechtliche Nutzung und Dauerbelegung der ausgewiesenen Behindertenplätze halte ich für nicht legal, zumal es sich bei der Beschilderung um die offiziellen Schilder für Behindertenplätze und keine handgepinselten Schilder handelt, die vorschlagen, daß da vielleicht Behinderte parken können sollten.
  3. ich habe sehr wohl einen Dialog gesucht, nämlich durch mehrmaliges Hinterlassen von Hinweisen an den Autos. Wie viele Hinweise braucht es denn noch?
  4. was soll heißen, man hätte eine Lösung finden können? Die einzig vernünftige und rationale Lösung wäre: die Schulleitung parkt nicht auf Behindertenparkplätzen.

Da ich insistierte, sicherte mir der Schulleiter zu, er werde dafür sorgen, daß künftig wenigstens einer der drei Parkplätze frei sei. Einmal klappte das sogar. Beim zweiten Mal waren dann wieder alle drei Behindertenparkplätze von Nichtbehinderten besetzt. In dem Moment platzte mir der Kragen und ich beschloß, mich einfach kackfrech vor den Haupteingang zu stellen.

Kaum stand ich dort, kam der Hausmeister angestiefelt. Wer ich denn sei? Ob ich die Schulleitung angezeigt habe? Ich bestätigte das und wies darauf hin, daß die Anzeige nicht zustande kam, weil es mir zu aufwendig war, deswegen vor Gericht zu gehen (Menschenkontakt ist für mich immer Streß und ich muß damit nicht auch noch meine Freizeit belasten). Er erzählte mir nun auch von der Absprache zwischen Ordnungsamt und Schulleitung und ich wies auch ihn darauf hin, daß es sich mitnichten um ein Privatgrundstück handelt und daß obendrein offizielle Schilder die Plätze auswiesen. Um diese sinnlose Diskussion aber nicht unnötig zu verlängern, fragte ich dann direkt, ob ich da nun stehen bleiben könne. Er sagte, eigentlich müsse ich ganz vorn an der Straße parken. Ich erwiderte, daß ich das gern machen kann, daß er dann aber stets dafür Sorge tragen müsse, daß der Seiteneingang, der eine Rampe hat, offen sei, weil ich dann nämlich nicht zu Fuße gehen kann, sondern den Rollstuhl benutzen muß. Da ihm das sichtlich lästig war, einigten wir uns darauf, daß ich fortan direkt vorm Eingang stehen kann. Also da, wo in der Realität keine Parkplätze sind. Weil die Behindertenparkplätze von Nichtbehinderten belegt werden und das Ordnungsamt die Augen zukneift.

Diese ganze Chose ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie unlogisch und beliebig die (Gedanken)Welt von neurotypischen Menschen ist. Diese nicht vorhandene Logik und das Brechen von Regeln führen bei mir zu einem Overload. Es macht mich rasend vor Zorn, wenn solche Dinge passieren. Wofür gibt es Regeln? Wofür eine StVO, wenn am Ende doch jeder machen kann, was ihm gerade durch den Kopf spukt?

Ich habe nun vom Hausmeister die Erlaubnis, nah beim Eingang zu stehen. Das ist zwar ganz nett, auch weil der Weg von den Behindertenparkplätzen zum Eingang relativ weit ist, aber mir wäre wohler, wenn ich einfach einen der vorhandenen Parkplätze nutzen könnte. Daß erwachsene und vermutlich nicht ganz ungebildete Leute darauf beharren, daß Behindertenplätze Schulleiterparkplätze sein sollen, finde ich absurd und vollkommen schräg. Alles in allem ein Paradebeispiel für alles, was ich in der NT-Welt nicht verstehe.