Gewichtsdecken und eigenes Gewicht

Als ich vor 15 Jahren in einer Reha-Klinik war, gab es dort einen Snoezelraum, also ein Zimmer, in dem diverse Möglichkeiten zur Stimulierung der unterschiedlichen Sinne zur Verfügung standen: Lichtspiele, Klänge/Musik, Kuscheltiere, Tücher, Seile, Spielzeuge – und eben auch eine Gewichtsdecke. Im Grunde ist das eine Art Quilt, dessen einzelne Abschnitte oder Kammern mit Sand oder Glaskügelchen gefüllt sind, und der dadurch etwa zwischen 5 und 12 kg wiegt (es wird empfohlen, daß eine solche Decke 10% des Körpergewichts des Menschen haben soll, für den sie gekauft wird). Ich fand die Decke damals ganz angenehm, hatte sie allerdings nur auf den Beinen liegen. Es heißt, daß solche Decken gerade für Autisten gut geeignet sind, weil sie einen beruhigenden Effekt haben.

In den letzten zwei Jahren habe ich immer mal wieder an so eine Decke gedacht, und neulich, zu meinem Geburstag, habe ich mir eine gewünscht. Wenige Tage später kam sie an und zwei Minuten später wußte ich, daß das nix mit uns wird. Ich fühlte mich unter der Decke leider wie festgekettet, was vielleicht auch daran liegt, daß ich nicht allzu viel Kraft oder Beweglichkeit in den Beinen habe. Wir haben sie also wieder zurückgeschickt (und ich habe bis heute keine Ahnung, was ich mir stattdessen zum Geburstag wünschen soll^^). Schade.

Als Kind und Jugendlicher habe ich mir oft diverse Decken oder auch Bücher, Spielzeuge etc. ins Bett geholt und mich darunter verbuddelt. Es gab mir ein angenehmes Körperempfinden, was es heute eben nicht mehr tut. Ich frage mich, ob das mit meinem Eigengewicht zusammenhängen könnte. Ich habe seit 15 Jahren Übergewicht (das setzte direkt nach Erwerb meiner Behinderung ein) und es ist wirklich schnuppe, was ich tu (oder lasse), ich kann absolut nicht abnehmen. Ich bin eine Weile lang wöchentlich zwei- bis dreimal schwimmen gegangen und habe dann jeweils 1500-2000 m geschwommen und dabei eine kalorienreduzierte Ernährung betrieben, aber unter ein bestimmtes Gewicht bin ich nie gekommen. Seit anderthalb Jahren läßt mein Gesundheitszustand das Schwimmen nicht mehr zu und da ich seit einem Jahr gehunfähig bin und im Grunde nur noch rumhocke, habe ich wieder zugenommen. Interessant ist, daß es dabei auch niemals ein bestimmtes Gewicht überschreitet, so daß ich denke, einer meiner Ärzte hatte mit seiner Set-Point-Theorie schon recht und das ist eben das Normalgewicht für meinen Körper, wie er jetzt ist.

Ich bemerke allerdings einen starken Unterschied darin, wie ich mich heute psychisch und auch physisch im Vergleich zu vorher fühle – nämlich besser. Ich führe das zum einen darauf zurück, daß das ständige Kaloriensparen eine psychische Belastung war, und zum anderen darauf, daß ich es mag, mehr Gewicht zu besitzen. Wie gesagt, solange es nicht eine bestimmte Grenze überschreitet. Es ist herrlich befreiend, nicht mehr über Kalorien oder Kleidergrößen nachzudenken. Das alles hat bei mir großen Streß ausgelöst, den ich als Aspie ja eh schon wegen tausend Dingen habe. Und tatsächlich fühle ich mich nicht nur allgemein besser, sondern auch „schöner“. Das Schönheitsideal schlank teile ich einfach nicht.

Ich frage mich zudem, ob mein höheres Eigengewicht mir bereits dieses Gefühl von Druck, Begrenzung und damit auch Sicherheit und Stabilität gibt. Dann hätte es ja eine echte Funktion für mich.

Kommunikationsschwierigkeiten

Ich hasse telefonieren, aber manchmal ist das unumgänglich, z.B. wenn man einen Arzttermin verschieben muß. Heute habe ich dafür 12 Minuten gebraucht, denn die Arzthelferin sprach nur sehr gebrochenes Deutsch. Ich meine, ich liebe es, Sprachen zu lernen und ich habe echt viel Geduld mit Menschen, die Deutsch lernen, aber wieso in aller Welt setzt man jemanden, der „Dritten“ nicht von „Mittwoch“ unterscheiden kann, ans Telefon, um mit den Patienten zu reden, Termine zu vereinbaren und Rezeptbestellungen entgegenzunehmen? Ich halte es für möglich, daß mir gerade ein Einhorn rezeptiert wurde.