Meine persönliche Klimakrise und ihr (hoffentliches) Ende

Als ich vor elf Jahren aus NRW hier runter nach Baden gezogen bin, dachte ich, die krassen Sommer hier unten wären eine Ausnahme, bis ich feststellte, daß sie das nicht sind. In NRW ist ein krasser Sommertag einer, wo man ungefähr 33°C hat (jedenfalls war das so, bis ich da 2009 wegging). Hier hat man an einem durchschnittlichen Sommertag 36°C, an einem krassen bis zu 42°C, allerdings bei einer recht hohen Luftfeuchtigkeit. Für mich heißt das, daß ich mich seit elf Jahren durch die Sommer leide und hasse. Ich kann nicht pennen, weil ich im Bett festklebe. Ich kann nicht denken oder lernen, weil ich am Sofa festklebe. Man klebt im Rolli fest, in den Strümpfen (ich kann keine Schuhe ohne Strümpfe tragen und Sandalen leider auch nicht, sondern nur Stiefel), sogar am Klo. Die Haut wird nie trocken. Ständig rieselt einem der Schweiß die Kopfhaut runter. Meist kühlt es auch nachts überhaupt nicht ab. Da ist es dann nur dunkel, aber nicht kühler. Kurz, es ist die reinste Gluthölle.

Bis mein Auto im letzten Dezember verreckt ist, hatte ich im Auto keine Klimaanlage. Eigentlich mag ich klimatisierte Luft nicht, weil sie meine Schleimhäute so stark austrocknet, und da ich eh mit trockenen Augen zu tun habe und befeuchtende Augentropfen brauche, ist das kein echtes Vergnügen. Aber als wir uns jetzt ein neues Auto kaufen mußten, haben wir eins mit Klimaanlage gewählt, eben weil wir dachten, dann trocknet man vielleicht wenigstens mal im Auto ab und kann mit weniger Streßentwicklung einkaufen gehen oder Termine wahrnehmen.

Hitze und Kälte sind für mich gleichermaßen nicht erträglich, wobei ich finde, daß man sich gegen Kälte besser schützen kann. Mein Antikälteplan im Winter besteht in Heizungen mit Zeitschaltuhren, einem Holzofen, warmen Pullis, warmem Tee und anderen Dingen. Ich gehe im Winter auch nie lange raus und wenn, dann nur mit mehreren Schichten Klamotten, Handschuhen und Mütze. Aber wie schützt man sich gegen so eine krasse Gluthitze? Ich verrate direkt die Antwort: gar nicht, weil alle üblichen Strategien bei wochenlangen Hitze- und Dürreperioden ohne Wind und Regen einfach versagen. Daß ich so klimasensibel bin, ist Symptom meines Autismus‘, und ich habe ganz lange gedacht, es wäre eine Frage der Einstellung. So nach dem Motto: wenn ich es nicht so wichtig nehme, dann geht das schon. Pustekuchen. Geht nicht.

Wir haben dann in diesem Frühjahr entschlossen, daß wir uns zwei Klimaanlagen ins Haus einbauen lassen. Lohnen tut sich das erst jetzt, weil wir bereits neue Fenster, ein neues Dach und eine neue Eingangstür haben, weil also die größten „Löcher“ im Haus, wo Wärme eindringen (bzw. wo im Winter Wärme flöten gehen) kann, gestopft sind. Aufgrund der Corona-Hysterie haben wir diese Woche bescheid bekommen, daß die Firma die Anlagen bereits Mitte April statt Ende Mai installieren wird. Ich bin absolut happy! Mein Plan für den kommenden Sommer ist Folgender: ich schlafe in einem klimatisierten Raum und schlafe auch wirklich, weil ich nicht festklebe. Dann halte ich mich in meinem klimatisierten Haus auf, bis ich es zum Einkaufen oder für einen Termin verlassen muß. In meinem Auto schmeiße ich die Klimaanlage an und gehe dann im klimatisierten Supermarkt einkaufen. Später daheim werde ich fortan auch im Sommer meinen abendlichen Tee genießen. Yeah.

Zum Thema Stromverbrauch und Klimawandel haben wir uns natürlich auch Gedanken gemacht. Die neuen Klimaanlagen sind Effizienzklasse A++ bis A+++. Kurz gesagt: wenn ich für ein Frühstück für vier Personen entsprechend oft meinen 2000-Watt-Toaster laufen lasse, brauche ich mehr Energie als für zwei Klimaanlagen, die ein paar Stunden laufen. Finde ich vertretbar. Nicht vertretbar finde ich, jedes Jahr etwa drei Monate nicht zu funktionieren, ständig im Overload zu stecken und mein Leben einfach nur zu hassen. Ich bin jedenfalls mal sehr gespannt darauf, wie das Klima dann hier im Haus sein wird und wie sich mein Leben damit verändert.

Margarineverarschung

Beim Frühstück fiel mir auf, daß unsere Margarine gerade in einem Sonderformat mit 10% mehr Inhalt verkauft wird. Der Grund dafür ist laut Aufdruck eine neue Rezeptur mit 70% Fettgehalt. Da wir noch eine alte Packung offen hatten, habe ich die Becher miteinander verglichen. Es stellte sich heraus, daß sowohl die Zutatenliste als auch die Nährwertangaben bei beiden Packung exakt gleich sind.

Nein, natürlich erwarte ich keine ehrlichen Werbeaussagen. Aber irgendwie bin ich das manchmal ganz schön satt, in einer Gesellschaft zu leben, in der man von vorn bis hinten nur verarscht wird.