Sag, was Du meinst…

Im Juni habe ich mich aus einem Forum verabschiedet, in dem ich einige Jahre aktiv war, zuletzt auch als Moderator. Ich hatte in diesem Forum eine Frau kennengelernt, die manchmal mit psychotischen Episoden zu kämpfen hatte, und scheinbar hat ihr meine rationale Art oft ein wenig geholfen. Zwischen uns hatte sich keine Freundschaft entwickelt, aber wir hatten sehr konstruktive Gespräche. Mit ihr hatte ich nach meinem Abschied vom Forum noch ein paar Wochen Kontakt, bis sich eine ihrer psychotischen Episoden gegen mich richtete. Konkret vermutete sie, ich sei jemand anders. Ich habe darauf so rational und unemotional reagiert, wie ich das immer getan hatte, und sie darauf hingewiesen, daß sie gerade wieder in so eine Phase entglitt. Sie jedoch war der felsenfesten Überzeugung, ich würde sie ausspionieren (das ist nicht die ganze Story, aber ich will das hier nicht auswalzen). Jedenfalls zeigte sich, daß diese Befürchtungen wohl davon ausgelöst worden waren, daß ich eben nicht mehr im Forum verfügbar war, und da sich das nicht wieder ändern würde, war es für mich dann auch folgerichtig, daß wir den Kontakt einstellten.

Heute bekam ich die erste Mail seit Juli von ihr. Sie wünschte mir ein gutes neues Jahr und fragte mich, ob sie mir etwas per Post zuschicken dürfe, das für eine Frau aus besagtem Forum gedacht ist, der sie selbst aber nichts direkt zusenden wollte, weil sie nicht wisse, ob sie dieser Frau vertrauen könne (wegen der Bekanntgabe ihrer Adresse). Sie wolle mir dieses Ding also schicken und ich sollte es bitte umtüten und an die Frau weitersenden. Ich wünschte ihr ebenfalls ein gutes neues Jahr und antwortete auf ihre Frage, daß ich ihr nicht helfen werde, weil ich es nicht anständig finde, daß sie sich nach so langer Zeit nur deswegen bei mir meldet, weil sie meine Hilfe in Anspruch nehmen möchte. Sie schrieb zurück, daß es ihr leidtäte, daß mich die Sache so verletzt habe, aber daß es ja nicht darum geht, daß sie meine Hilfe für sich wolle, sondern lediglich für die andere Frau. Ich antwortete ihr daraufhin nur noch ganz knapp und erwarte bzw. hoffe eigentlich, daß sich das damit erledigt hat.

Warum erzähle ich davon? Weil das ein NT-Verhalten ist, das mir schon immer sehr auf die Nerven gegangen ist. Mir ist es schon oft passiert, daß NTs, mit denen ich entweder noch nie was zu tun hatte (wie z.B. entfernte Bekannte, mit denen man vielleicht drei Worte gewechselt hat) oder mit denen der Kontakt schon lange eingeschlafen oder abgebrochen war, plötzlich wie der Teufel aus der Kiste hopsen und wieder in meinem Leben auftauchen – sobald sie etwas von mir wollen. Ich glaube ja eigentlich, daß Aspies im Sozialverhalten nicht so wahnsinnig geschickt sind, aber dieses Muster im Verhalten von NTs finde ich schon sehr abgefahren. Ist mir tatsächlich noch nie mit Aspies passiert.

Ich finde es auch total abgefahren, daß sie meine klare Zurückweisung ihrer unanständigen Bitte so umdeutet, als habe ich das Problem, weil ich verletzt sei (was ich nicht einmal bin, weil sie mir eben nicht wichtig war) und nicht einmal über meinen eigenen Schatten springe könne, wenn es um Hilfe für eine dritte Person geht.

Ich frage mich in diesem Kontext, wo in meinem Leben ich in früheren Jahren in solche geschickt gestellten rhetorischen „Fallen“ reingelaufen bin, also, wo ich mit Rechtfertigungsversuchen, Schuldgefühlen oder auch Zugeständnissen auf Manipulationen oder reine Arschigkeit reagierte, weil ich nicht so klar sehen konnte wie heute, wie NTs gegen mich kommuniziert haben. Schon ein bißchen gruselig.