Arztfail

Als ich Anfang des Jahres die Diagnose Asperger bekam, riet mir meine bisherige Therapeutin dazu, einen Beratungstermin bei einem Autismusspezialisten in meiner Region zu machen mit dem Zweck, für mich Klarheit darüber zu erlangen, ob ich eine Therapie oder lieber Ergotherapie oder beides oder nichts davon machen wolle. Ich rief also in der Praxis dieses Menschen an – im April. Man teilte mir mit, daß es eine sechsmonatige Wartefrist gebe, wozu ich mein OK gab. Ich erhielt einen Termin für diese Woche, also im Oktober.

Nun bin ich gerade verletzt und kann nicht das Haus verlassen, geschweige denn Auto fahren. Also rief ich heute in der Praxis an, um den Termin zu verlegen. Die Arzthelferin konnte aber weder meinen Termin noch meine Person im System finden. Ich erklärte, daß ich diesen Termin bereits im April ausgemacht habe, worauf sie mir ins Wort fiel und sagte, das sei ja ganz und gar unmöglich, weil sie doch nur vier und nicht sechs Monate Wartezeit hätten. Aha. Und was hätten die jetzt gemacht, wenn ich zu dem Termin am Donnerstag erschienen wäre? Mich wieder weggeschickt?

Ich habe kurz überlegt, ob ich sie fragen soll, ob sie denkt, daß ich lüge. Aber da solche Fragen in der Regel nicht zielführend sind, habe ich ihr einfach gesagt, daß sie es vergessen soll und aufgelegt.

Warum? Weil mich zum einen so eine Schlamperei in einer Praxis massiv nervt. Das ist einfach nicht verläßlich und ich habe keinen Bedarf an weiteren „Zitterpartien“ in meinem Leben. Es täte mir nicht gut, bei jedem weiteren Termin zu befürchten, daß ich wieder vergessen worden wäre. Oder daß mir bei irgendwelchen Dingen nicht geglaubt wird – wenn das schon bei so Kleinigkeiten wie der Terminvergabe der Fall ist. Zum anderen habe ich in den Monaten, die seit der Diagnosestellung vergangen sind, schon sehr viel über mich und meinen Autismus gelernt. Darüber schreibe ich ein anderes Mal.