Bequemlichkeit ist keine Behinderung

Derzeit besuche ich einen VHS-Kurs für eine Fremdsprache. Dieser findet an einer Schule hat. Auf dem Hof dort gibt es drei Behindertenparkplätze, die mit den entsprechenden Schildern gekennzeichnet sind. Bereits im letzten Wintersemester stellte ich fest, daß immer zwei und manchmal sogar alle drei von Leuten belegt werden, die den dafür benötigten blauen Parkausweis nicht haben. Bereits im Winter hatte ich diesen Menschen kleine Zettel mit der Nachricht „Bequemlichkeit ist keine Behinderung“ und einer kurzen Erklärung, daß man für das Parken auf diesen Plätzen den blauen Parkausweis für sog. außergewöhnlich Gehbehinderte braucht, unter die Scheibenwischer geklemmt. Der Effekt war gleich Null. Die Autos parkten weiterhin dort. Und als ich nun den Sommerkurs besuchte, standen genau dieselben Autos wieder da.

Das Problem auf diesem Hof ist, daß der Bereich direkt neben den Behindertenparkplätzen mit absolutem Halteverbot ausgewiesen ist. Und das war es dann auch schon mit der Beschilderung des gesamten Bereichs. Da sind also keine anderen Parkplätze ausgewiesen. Mir ist ja auch klar, daß Rettungswege freibleiben müssen, und darum bin ich kein „Wildwestparker“.

Da es mich unfaßbar ärgerte, daß dieselben Nasen schon wieder/immer noch unberechtigterweise auf den Behindertenplätzen standen, machte ich davon Photos und mailte diese dem Ordnungsamt mit der Anfrage, wie das Verfahren bei einer Anzeige sei und ob es ggf. eine Nummer gebe, unter der man anrufen und die Falschparker direkt entfernen lassen könne. Zur Erklärung: selbst das Halten auf Behindertenparkplätzen ist ein Strafbestand und laut StVO kann da sofort abgeschleppt werden. Außerdem mailte ich dem Sekretariat, daß die Behindertenparkplätze dauerhaft von Unbefugten genutzt werden und ich das zur Anzeige bringen werde.

Am nächsten Tag zwei Überraschungen. Erstens teilte das Ordnungsamt mir mit, daß man da nichts machen könne – abgesehen von einer Privatanzeige. Weil das Ordnungsamt sich dafür nicht zuständig fühle. Es sei ja ein Privatgrundstück. Aber wenn ich vor Gericht ziehen wollte, dann wäre das Verfahren so und so und so. Zweitens mailte mir der Schulleiter, der mir sagte, es sei mit dem Ordnungsamt abgesprochen, daß die Schulleitung samt Stellvertretung zwei der drei Behindertenplätze dauerhaft belegen dürfe, weil es ja sonst keine Parkplätze für die Schulleitung gäbe. Es wäre doch sehr schade, daß ich nicht den Dialog gesucht hätte, weil man dann ja eine Lösung hätte finden können.

Ja, und hier setzt nun der Teil ein, den ich für sehr aspergerig halte (weswegen ich das alles hier überhaupt schreibe).

  1. ein Schulgrundstück ist städtische und nicht private Fläche. Selbstverständlich ist das Ordnungsamt dafür zuständig.
  2. eine Absprache seitens der Schulleitung mit dem Ordnungsamt für die widerrechtliche Nutzung und Dauerbelegung der ausgewiesenen Behindertenplätze halte ich für nicht legal, zumal es sich bei der Beschilderung um die offiziellen Schilder für Behindertenplätze und keine handgepinselten Schilder handelt, die vorschlagen, daß da vielleicht Behinderte parken können sollten.
  3. ich habe sehr wohl einen Dialog gesucht, nämlich durch mehrmaliges Hinterlassen von Hinweisen an den Autos. Wie viele Hinweise braucht es denn noch?
  4. was soll heißen, man hätte eine Lösung finden können? Die einzig vernünftige und rationale Lösung wäre: die Schulleitung parkt nicht auf Behindertenparkplätzen.

Da ich insistierte, sicherte mir der Schulleiter zu, er werde dafür sorgen, daß künftig wenigstens einer der drei Parkplätze frei sei. Einmal klappte das sogar. Beim zweiten Mal waren dann wieder alle drei Behindertenparkplätze von Nichtbehinderten besetzt. In dem Moment platzte mir der Kragen und ich beschloß, mich einfach kackfrech vor den Haupteingang zu stellen.

Kaum stand ich dort, kam der Hausmeister angestiefelt. Wer ich denn sei? Ob ich die Schulleitung angezeigt habe? Ich bestätigte das und wies darauf hin, daß die Anzeige nicht zustande kam, weil es mir zu aufwendig war, deswegen vor Gericht zu gehen (Menschenkontakt ist für mich immer Streß und ich muß damit nicht auch noch meine Freizeit belasten). Er erzählte mir nun auch von der Absprache zwischen Ordnungsamt und Schulleitung und ich wies auch ihn darauf hin, daß es sich mitnichten um ein Privatgrundstück handelt und daß obendrein offizielle Schilder die Plätze auswiesen. Um diese sinnlose Diskussion aber nicht unnötig zu verlängern, fragte ich dann direkt, ob ich da nun stehen bleiben könne. Er sagte, eigentlich müsse ich ganz vorn an der Straße parken. Ich erwiderte, daß ich das gern machen kann, daß er dann aber stets dafür Sorge tragen müsse, daß der Seiteneingang, der eine Rampe hat, offen sei, weil ich dann nämlich nicht zu Fuße gehen kann, sondern den Rollstuhl benutzen muß. Da ihm das sichtlich lästig war, einigten wir uns darauf, daß ich fortan direkt vorm Eingang stehen kann. Also da, wo in der Realität keine Parkplätze sind. Weil die Behindertenparkplätze von Nichtbehinderten belegt werden und das Ordnungsamt die Augen zukneift.

Diese ganze Chose ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie unlogisch und beliebig die (Gedanken)Welt von neurotypischen Menschen ist. Diese nicht vorhandene Logik und das Brechen von Regeln führen bei mir zu einem Overload. Es macht mich rasend vor Zorn, wenn solche Dinge passieren. Wofür gibt es Regeln? Wofür eine StVO, wenn am Ende doch jeder machen kann, was ihm gerade durch den Kopf spukt?

Ich habe nun vom Hausmeister die Erlaubnis, nah beim Eingang zu stehen. Das ist zwar ganz nett, auch weil der Weg von den Behindertenparkplätzen zum Eingang relativ weit ist, aber mir wäre wohler, wenn ich einfach einen der vorhandenen Parkplätze nutzen könnte. Daß erwachsene und vermutlich nicht ganz ungebildete Leute darauf beharren, daß Behindertenplätze Schulleiterparkplätze sein sollen, finde ich absurd und vollkommen schräg. Alles in allem ein Paradebeispiel für alles, was ich in der NT-Welt nicht verstehe.